Deutsche Polizei soll Jahre bleiben

Afghanistan-Einsatz langfristig angelegt

  • Lesedauer: 2 Min.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière strebt ein langfristiges Engagement der deutschen Polizei in Afghanistan an. Es gehe um mehrere Jahre.

Kabul (dpa/AFP/ND). Auch nach Ende der laufenden Ausbildungsprojekte, die eine Aufstockung der afghanischen Polizei auf 134 000 Kräfte bis 2014 zum Ziel haben, werde es voraussichtlich eine »Zusammenarbeit auf Jahre hinaus« geben, sagte de Maizière am Dienstag zum Abschluss seines dreitägigen Afghanistan-Besuchs in Masar-i-Scharif. »Es macht ja keinen Sinn, etwas abzubrechen, was nachher in neue Unsicherheit umschlägt.« Eine Fortsetzung des Engagements werde aber sicher nicht die aktuelle Dimension haben. Deutschland will die Zahl der Polizeiausbilder bis Mitte des Jahres von derzeit 190 auf 260 aufstocken. Sie sollen pro Jahr 5000 afghanische Polizisten schulen. Deutschland beteiligt sich seit acht Jahren maßgeblich am Aufbau der Polizei in dem Land. Zur Zeit liegt die Zahl der afghanischen Polizisten nach offiziellen Angaben zwischen 96 000 und 98 000.

De Maizière beendete seine Afghanistan-Reise am Dienstag mit dem Besuch eines Trainingszentrums in Masar-i-Scharif, gleich neben dem Hauptquartier des von Deutschland geführten Regionalkommandos Nord der internationalen Schutztruppe ISAF. Der Innenminister betonte, dass die deutschen Polizisten nur in sicheren Gebieten eingesetzt werden, wenn sie Ausbildungscamps verlassen. Trotz aller Schwierigkeiten sieht de Maizière den Polizeiaufbau in Afghanistan auf einem guten Weg. Die afghanische Regierung mahnte er aber, die Korruption entschieden zu bekämpfen. »Eine Polizei kann nur Autorität in einem Land gewinnen, wenn sie nicht korrupt ist«, sagte er. Der Innenminister verwies auf die Einrichtung einer unabhängigen Behörde zur Bekämpfung der Korruption durch Präsident Hamid Karsai. »Wir wünschen uns sehr, dass diesen Worten jetzt auch Taten folgen.«

Auch die sieben führenden Industrienationen und Russland (G8) haben von Karsai weitere Fortschritte im Kampf gegen Drogenhandel und Korruption verlangt. Die bereits vereinbarten konkreten Maßnahmen müssten »rasch umgesetzt« werden, heißt es in einer Erklärung, die die G8-Außenminister am Dienstag bei ihrem Treffen im kanadischen Ottawa verabschiedeten.

US-Generalstabschef Michael Mullen hat derweil die südafghanische Stadt Mardscha besucht, in deren Umgebung die internationalen Truppen eine Großoffensive gegen die Taliban führen.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.