- Kommentare
- kommentiert
Rösler aufs Land
Es scheint, als hätte jemand Bundesgesundheitsminister Rösler daran erinnert, dass es zu seinem Job gehört, irgendetwas zu machen. Probleme gibt es schließlich genug und man muss ja nicht gleich mit dem ärgsten anfangen, der Finanzierung des Gesundheitssystems oder der Pflege. Egal, was man da auch anpackt, eine Wählergruppe wird beleidigt sein. Deswegen fallen diese Probleme vor Landtagswahlen aus. Lange vor Landtagswahlen übrigens.
Arzneimittelkosten sind hingegen ein schönes Thema. Kaum gibt es einen Gesprächstermin für Rösler mit der Pharmaindustrie, da heißt es, er gehe den Herstellern an den Kragen. Dass am Ende nichts dabei herauskommt, merkt keiner mehr. Ärztemangel auf dem Land ist auch so ein Thema, bei dem man wenig falsch machen kann. Seit Jahrzehnten pusseln die Länder, die es betrifft – besonders die mit den leer gefegten No-Job-Areas im Osten –, an Lösungen. Mecklenburg-Vorpommern wirbt bei den polnischen Nachbarn um qualifizierte Kollegen, Thüringen versucht, jungen Medizinern die kostspielige Niederlassung zu ersparen, Sachsen-Anhalt will ein Stipendium für den künftigen Landarzt einführen. Jede Idee hat Vor- und Nachteile, keine kann jedoch etwas daran ändern, dass der Landarzt mehr zu tun hat und weniger Geld verdient als der Urologe in der Hamburger City. Solange man dem System, das der privaten ärztlichen Leistung den Vorrang gibt und die gesetzliche Krankenversicherung immer weiter aushöhlt, den Vorzug gibt, wird es an Ärzten mangeln, wo die Einwohner nicht viel Geld haben. Vielleicht sollte ein Jahr lang in der Uckermark praktizieren, wer Gesundheitsminister werden will.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.