Griechenland steht unter Schock
Drei Tote bei gewaltsamen Protesten gegen Sparprogramm der Regierung in Athen
Der Tod dreier Menschen im Gebäude einer Athener Bank ist Sinnbild der griechischen Tragödie: Am Mittwoch fanden im Zuge eines weiteren Generalstreiks die massivsten und größten Proteste gegen die jüngsten Sparmaßnahmen statt, die EU und Internationaler Währungsfonds als Gegenleistung für die bereitgestellten Milliardenkredite von Griechenland gefordert hatten. Die Betroffenen wehrten sich damit gegen Lohnsenkungen und Steuererhöhungen. Doch angesichts der Toten brachen auch die Fernsehsender ihren Ausstand ab – auf allen griechischen Kanälen wurde über den tödlichen Zwischenfall berichtet. Zwei Frauen und ein Mann waren im ersten Stock über einer Filiale der Marfin-Bank in Athen an Rauchvergiftung gestorben. Das Institut war aus einer Demonstration heraus mit Brandsätzen angegriffen worden und brannte aus. Nach Bekanntwerden der Todesopfer lösten sich die Manifestationen auf; die Straßen im Stadtzentrum waren nahezu menschenleer.
Während die »offiziellen« Kundgebungen mit ausländischen Gewerkschaftsvertretern friedlich verliefen, war es aus dem zweiten Demonstrationszug heraus zu Ausschreitungen gekommen. Der Zug war von Basisgewerkschaften, Organisationen der außerparlamentarischen Linken und anarchistischen Gruppen organisiert worden. Neben den Brandsätzen auf die Marfin-Bank gab es weitere Gewaltaktionen: Bereits vor dem Parlament hatten sich ganze Blocks von Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei geliefert, Schaufenster wurden eingeworfen, Gebäude mit Molotowcocktails angegriffen.
Zum Generalstreik aufgerufen hatten die beiden Gewerkschaftsdachverbände GSEE (private Wirtschaft) und ADEDY (öffentlicher Dienst), auf deren Kundgebung Vertreter anderer europäischer Gewerkschaften ihre Solidarität mit dem Kampf der Lohnabhängigen in Griechenland bekundeten. »Ihr sollt für eine Krise bezahlen, die ihr nicht selbst verursacht habt«, rief Claus Matecki, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes. »Ihr kämpft auch für uns, euer Kampf ist auch unser Kampf.« Auch der Vorsitzende des Europäischen Gewerkschaftsbunds, John Monks, war in Athen: »Denkt daran, dies ist ein Kampf nicht nur gegen etwas, sondern auch für etwas: für ein anderes Griechenland, ein besseres, ein erfolgreiches Griechenland.« Auf der getrennt abgehaltenen Kundgebung der kommunistisch orientierten Gewerkschaftsfront PAME sprach Giorgos Perros davon, dass die Sparmaßnahmen nicht verhängt worden seien, um das Land zu retten, sondern »um das Staatsdefizit zu senken und um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Mit anderen Worten, um die Gewinne Weniger zu sichern.«
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