Der Protestant

Kurt Lauk / Der Chef des CDU-Wirtschaftsrates hat zwiespältige Steuerpläne

  • Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

Opel? Dichtmachen. Kündigungsschutz? Aufweichen. Das sind so die Töne, die man von Kurt Joachim Lauk kennt. Für den Chef des CDU-Wirtschaftsrates, der Großfirmen-Lobby in der Partei, gehören sie zum Job. Und den versieht der Stuttgarter Pfarrerssohn, Jahrgang 1946, üblicherweise schwäbisch gewissenhaft.

Um so größer ist nun das Erstaunen: Um zwei Punkte will Lauk den Spitzensteuersatz erhöhen, auf dass »auch die Reichen« beim Sparen einen »Obulos« entrichteten. Dass solche Töne gerade vom Chef des nicht zu Unrecht als Hort des Neoliberalismus verschrienen Unternehmerforums der Union kommen, der als erster aus dem Regierungslager über die tabuisierten Besitzstände der Oberschicht spricht, lässt in der Tat aufhorchen.

Bricht sich in Lauk, der vor seinem amerikanischen Wirtschaftsstudium und seiner Manager-Karriere bei der Boston Consulting Group, Zinser Textiltechnik, Audi, VEBA (heute Eon) und schließlich Daimler einen Magister in Theologie und Geschichte abgelegt hatte im Angesicht der Krise der christliche Humanismus Bahn? Dass er nun als warmherziger Querdenker dasteht, verdankt er mehr Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und den Wahrnehmungsmustern der Medien als der eigenen Position. Im Bestreben, jegliche weitere Diskussion über das »Sparpaket« zu ersticken, neckte ihn der Minister als Freund der LINKEN – und die Bericherstatter hatten ein Thema mehr.

Wer genauer hinsieht, erkennt allerdings schnell, dass der Zögling des Evangelischen Stifts zu Tübingen der Protestantischen Ethik auch weiter treu ist. Er will nämlich nicht nur Einkomen über einer Viertelmillion mit 47 statt 45 Prozent besteuern, sondern auch die meisten Ermäßigungen bei der Mehrwertsteuersatz abschaffen – was bekanntlich diejenigen trifft, die den Großteil ihres Einkommens konsumieren müssen.

Die »Stuttgarter Nachrichten« beziehen sich auf Schätzungen des Wirtschaftsrates selbst, nach denen beim Lauk-Paket die Reichen nur wenige Hundert Millionen Euro drauflegen müssten, während die Ärmeren beim Einkauf zwölf Milliarden zuschießen würden.

»Der Wirtschaftsliberale gibt den Gerechtigkeitsapostel« titelt Lauks Heimatblatt. Man kennt ihn dort.

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