Pro-Israel und Anti-LINKE

Schwere Geschütze gegen Andersdenkende

  • Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 2 Min.
Es war wieder Demo-Wochenende in Berlins Mitte. Zehntausende protestieren gegen die Krise im Allgemeinen und die Politik der schwarz-gelben Koalition im Speziellen. Doch auch eine kleinere Gruppe, die sogenannte Bahamas-Fraktion, hatte zum Protest aufgerufen, um Israel zu unterstützen.

Rund 150 Menschen versammelten sich auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor der Volksbühne, nur wenige Schritte entfernt vom Karl-Liebknecht-Haus, der Zentrale der Linkspartei. Aufgerufen hat die sogenannte Bahamas-Fraktion, der bedingungslos proisraelische und ebenfalls proamerikanische Teil der deutschen Linksextremen. Anlass war das »Schiffsabenteuer« vor der israelischen Küste, mit dem die Seeblockade des abgeriegelten Gazastreifens durchbrochen werden sollte.

Bizarre Argumente

Bekanntlich waren unter den Passagieren auch Bundestagsabgeordnete der Linkspartei. »Gegen das Bündnis der Kriegstreiber von Linkspartei und Hamas« wurde daher auf einem der vielen Transparente aufgerufen. »Und niemals vergessen: Scheiß Hamas«, skandierte eine kleine Gruppe direkt vor dem Eingang zur Parteizentrale, bevor sie von den anwesenden Polizisten wieder Richtung Theatervorplatz geschoben wurde. Die Aggression äußerte sich ansonsten nur verbal. Dabei wurden allerdings starke Geschütze aufgefahren. Im Aufruf zur Demonstration hieß, dass sich eine Linie von Gysi zu Erdoan, Hugo Chávez und der iranischen Führung ziehe. »Im Namen des Krieges wollen sie den Weltkrieg gegen Israel entfesseln«, hieß es da weiter.

»We're the Kids in America« von Kim Wilde tönt es aus den Boxen. Das Lied bildete den Auftakt für die Ansprachen diverser Gruppierungen, die den Demoaufruf unterzeichnet haben. Das Publikum war mit Israelflaggen ausgestattet. »Der mit Frieden getarnte Hass gegen Israel kennt keine Grenzen mehr«, sagte ein Redner. Er bezeichnete die Gruppe Shalom in der Linkspartei als »Feigenblatt für das Bündnis von Linken und Hamas«, das nun nicht mehr gebraucht werde. Auch, dass von der »Zerschlagung Israels die Lösung der sozialen Frage«, erwartet werde, behauptete er. Ein anderer Redner meinte, Israel werde des Angriffs bezichtigt, wenn es sich verteidige. In einem verlesenen Grußwort schrieb Thomas von der Osten-Sacken, dass die Linkspartei ehrlich sein und mit »Ahmadinedschad und Erdoan paktieren« solle. Die Redaktion von Bahamas sieht es als Aufgabe, »die Waffenexperten der Partei beim Namen zu nennen und zum schweigen zu bringen«.

Wein für Austritte

Am radikalsten im Hass zeigte sich die AG No Tears for Krauts aus Halle. Sie nannte die Linkspartei »Gysis braune Truppe«, sieht repressiven Antikapitalismus, Stallwärme und Hass auf Israel als die Grundpfeiler der Partei. Für jedes zurückgegebene Parteibuch verspricht sie eine Flasche Wein aus den hoffentlich ewig zu Israel gehörenden Golan-Höhen. Nach etwas über zwei Stunden war der Spuk vorbei.

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