Ausgleich für Enteignung
Erben von Verschwörer gegen Hitler klagten
Gera (epd/ND). Die Nachfahren eines Mitverschwörers vom 20. Juli 1944 erhalten nun doch eine Entschädigung für Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg in Thüringen. Das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen habe die ursprüngliche Ablehnung eines entsprechenden Antrags zurückgezogen und einen Ausgleich angeboten, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag dem epd.
Damit bestätigte der Sprecher zugleich einen Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks, wonach die Erben des einstigen Stadtkommandanten von Paris, Hans Reichsfreiherr von Boineburg-Lengsfeld, für enteignetes Land im heutigen Wartburgkreis finanziell entschädigt werden sollen. Die vom MDR genannte Summe der Ausgleichszahlung von 144 000 Euro könne er jedoch nicht bestätigen, betonte der Sprecher.
Das Landesamt hatte Zahlungen an die Töchter zunächst mit der Begründung abgelehnt, ein Generalleutnant und Ritterkreuzträger hätte in der NS-Zeit eine herausgehobene Stellung gehabt und deshalb keinen Anspruch auf Entschädigung. Nach einer Klage der Erben vor dem Verwaltungsgericht Gera habe das Amt jedoch Ausgleichszahlungen angeboten. Ob sie in der genannten Höhe angenommen werden, ist nach Angaben des Erben-Anwalts ungewiss.
Von Boineburg-Lengsfeld hatte während des Hitler-Attentats der Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Paris Angehörige von Gestapo und SS festgesetzt. Nach Kriegsende wurden die Landgüter der Familie in Westthüringen von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet.
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