Die Insel rockt
16. Fehmarn Open Air könnte das letzte sein
Wenn etwas zum 16. Mal stattfindet, dann kann man wohl ruhigen Gewissens von Tradition sprechen. Das Fehmarn Open Air, besser bekannt als Jimi Hendrix Revival-Festival, steigt am Freitag (ab 16 Uhr) und Samstag erstmals an zwei Tagen, und doch liegt bei vielen ein wenig Wehmut über dem Ereignis, denn es könnte das letzte sein.
Das Gelände am Flügger Strand auf der Westseite der Insel Fehmarn, wo am 6. September 1970 bereits der Gitarren-Heroe Jimi Hendrix beim legendären wie chaotischen Love&Peace-Festival aufspielte, ehe er kurz darauf verstarb, steht inzwischen unter Naturschutz und darf nach europäischen Richtlinien, die von der Ordnungsbehörde des Kreises Ostholstein zu befolgen sind, nicht mehr mit Veranstaltungen dieser Art »belastet« werden. Darüber entbrannte vor Monaten ein heftiger Streit mit den Festivalmachern (ND berichtete), die letztmalig eine Ausnahmegenehmigung erhielten und immer noch nicht verstehen können, warum andernorts im Kreis Ostholstein auf geschützten Naturflächen zu Übungszwecken sogar Bundeswehrpanzer rollen dürfen.
Jetzt konzentriert sich alles auf die 16 Musikgruppen, die sich in den Fußstapfen eines Hendrix bewegen und den Platz deftig rocken sollen, wobei der Großenbroder- Shanty-Chor den heimatkundlichen Farbtupfer darstellt. Bereits seit Anfang der Woche haben die ersten hart gesottenen Fans ihr Campingquartier aufgeschlagen. Sie kommen aus allen Himmelsrichtungen Deutschlands. Insgesamt rechnet Organisator J.J. Krohn, mit etwa 15 000 Besuchern. Viele glauben, dass es künftig mit dem Festival vorbei sei, weil auch er seinen Rückzug angekündigt hat.
Headliner am ersten Tag sind die Briten The Brew sowie der Wuppertaler Gitarren-Tausendsassa Henrik Freischlader. Am zweiten Tag greifen unter anderem Kanadas Jungtalent Jimmy Bowskill, Todd Wolfe, Wolf Maahn und Miller Anderson in die Saiten, wobei der Schotte Anderson bereits vor 40 Jahren mit der Keef Hartley Band als damals 25-Jähriger auf der Bühne stand. Doch auch Blocksperga aus Werningerode mit Mittelalter-Rock oder das Cover-Trio Double Vision aus Gotha müssen sich über fehlenden Applaus erfahrungsgemäß keine Sorgen machen.
Umsonst und draußen ist das bewährte Motto des völlig unkommerziellen Festivals, bei dem die Freiwillige Feuerwehr der Insel tatkräftig mit anpackt und unzählige andere die Live-Rockparty ermöglichen.
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