Aufgefallen

Klaus Joachim Herrmann über die verhinderten Plakate

  • Lesedauer: 1 Min.

Eine »direkte Ablehnung« der Plakate, so wusste die Genehmigungsstelle der Deutschen Bahn, könne »negativ auffallen«. So wählten die Kollegen eine Art Umfahrung. Sie mochten die »Motive nicht freigeben«, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe verbreitete. Weil man sich schließlich gegenüber dem Eigentümer »politisch neutral« verhalten müsse, werden die Plakate mit der Botschaft vom unteilbaren Sozialstaat nicht auf Flächen in Bahnhöfen oder deren Nähe geklebt.

Der Kunstgriff ändert nichts daran, dass die Bahn negativ auffällt. Mehr noch gilt dies freilich für deren Eigentümer. Das ist die Bundesrepublik Deutschland. Die wiederum wird durch die Regierung vertreten. In dem Land herrschen die beklagten Zustände, die Regierung pflegt in ihrem Staatskonzern ein Untertanenverständnis, das sogar das Kleben von Plakaten zur Unterstützung der Ärmsten verhindert.

Doch es geht um mehr als nur diese bittere Peinlichkeit. Viel übler sind doch Umstände und Zustände, die den Druck der Plakate und ihre Verbreitung erst nötig machen. Das sind eben Armut, Wohnungsnot und für arme Menschen nicht mehr bezahlbare Kosten für Gesundheit. Das und ein Sparpaket für die Schwachen und die Schwächsten sind es, wofür die Bundesregierung Verantwortung trägt. Hiermit fällt sie noch übler auf als ihr untertäniger Konzern.

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