Polens »Schande«

Kriegsveteranen werden vernachlässigt

  • Julian Bartosz, Wroclaw
  • Lesedauer: 2 Min.
Bogdan Klich, Psychiater von Beruf, Kunsthistoriker nebenbei und zur Zeit Verteidigungsminister im Tusk-Kabinett, prahlt gern mit der »weitgehenden Durchsichtigkeit« seines Ressorts. Allzu weit geht diese Transparenz dann aber doch nicht, vor allem wenn es um den von Polen mitgeführten Krieg am Hindukusch geht.

Auf www.mon.gov.pl werden derzeit auf 196 Seiten 981 Nachrichten über »unsere tapferen Soldaten« an der Afghanistan-Front publiziert. Da liest man, wie sie die »Rebellen« oder »Banditen« verjagen, wie sie Schulen bauen, Frauen einen nützlichen Beruf beibringen und andere zivilisatorische »Missionen« erfüllen oder die regierungstreuen Kabuler Truppen trainieren. Bei der Frage nach verwundeten polnischen Soldaten gab es zuletzt lediglich eine Info.

In der »Gazeta Wyborcza« war dagegen unlängst zu lesen, dass seit Mai bis Ende August dieses Jahres rund 100 Soldaten bei Patrouillenfahrten in der Provinz Ghazni verletzt wurden. Da das Verteidigungsministerium erst seit kurzer Zeit genaue Statistiken führe, so die Zeitung, könne nur geschätzt werden, dass inzwischen über 400 polnische Kriegsinvaliden von einer kärglichen Rente (1300-1700 Zloty, etwa 320-425 Euro) leben müssen. Seit fast zwei Jahren werde eine Gesetzvorlage für zusätzliche Vergütungen (ärztliche Betreuung, Medikamente, Rehabilitation) vorbereitet.

Der Verband der ehemaligen Irak- und Afghanistan-Kämpfer errechnete, dass diese Maßnahmen plus »Veteranenheime« insgesamt etwa acht Millionen Zloty kosten würden. Für den Afghanistan-Einsatz seien allein 2010 über 800 Millionen ausgegeben worden. Die jährlichen Kriegsausgaben lägen bei über 1,2 Milliarden Zloty. In der »Gazeta Wyborcza« schilderten drei arbeitsunfähige Kriegsveteranen, wie ihr Rosomak-Panzerwagen im Nachtgefecht von »Banditen« umzingelt wurde und auf einer Erkundungsfahrt in die Luft flog oder ihr Stützpunkt von den Taliban mit Raketen beschossen wurde. Zuerst in Feldlazaretten behandelt, landeten sie schließlich im Ramsteiner US-Militärhospital, wo sie vorzüglich medizinisch wie psychologisch betreut wurden – was man nach der Verlegung in eine Warschauer Klinik nicht mehr sagen konnte.

Wie die Zeitung schreibt, sei es »eine Schande für den polnischen Staat« und unbegreiflich, dass man Männern, die in Ausführung von Befehlen ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren, weder eine entsprechende ärztliche Betreuung noch finanzielle Unterstützung sichern könne. Schande ist schon das richtige Wort, wenn es denn auch die im US-amerikanischen Interesse gegebenen Befehle polnischer Politiker und Militärs selbst mit einbezieht.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.