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Makabere Trophäenjagd

  • Olaf Standke
  • Lesedauer: 1 Min.

Man hat sofort die Bilder US-amerikanischer Soldaten aus dem berüchtigten Bagdader Gefängnis Abu Ghoreib vor Augen oder jene von Bundeswehrsoldaten, die am Hindukusch mit Totenköpfen von Kriegsopfern für Fotos posierten. Die GIs, die jetzt in Seattle vor Gericht stehen, sind noch einen entsetzlichen Schritt weitergegangen. Die Angehörigen einer Infanterie-Brigade sollen bei ihrem Einsatz in Kandahar im Westen Afghanistans willkürlich Zivilisten getötet und ihnen dann Körperteile als Trophäen abgeschnitten haben. Ein Sergeant hortete geradezu Finger, Fußknochen und Zähne, so die grausamen Anklagedetails. Der Krieg gebiert immer wieder seelische Monster, die man im konkreten Fall allerdings früher hätte stoppen können, wenn das Pentagon nur diversen Hinweisen konsequent nachgegangen wäre. Tatsächlich aber wurde ein Zeuge, der sein Gewissen erleichtern wollte, vielmehr von seinen Vorgesetzten bedroht.

Im Prinzip, so die Ermittler, hätten da mehrere Soldaten ein »geheimes Killer-Team« für ihre makabere Trophäenjagd gegründet – was fatal an staatlich sanktionierte Vorbilder erinnert, wenn Sondereinheiten der US-Truppen in Afghanistan Todeslisten mit den Namen von Aufständischen »abarbeiten«. Wenn jetzt in den USA bereits von einem der größten Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Krieg gesprochen wird, ist Letzteres jedenfalls nicht gemeint.

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