- Kommentare
- Standpunkt
Fass ist voll
Erika Steinbach hat es übertrieben. Nun ist das Fass voll. Doch bis auf den letzten Tropfen, der es zum Überlaufen brachte, bleibt es auch voll. Niemand macht rückgängig, was die Vertriebenenchefin politisch bewirkt hat, nichts mehr bringt die Stiftung ins Wanken, die das Produkt genau jenes geschichtlichen Herangehens ist, das Steinbach jetzt nur ein wenig unverblümter geäußert hat als sonst. Selbstsicherheit resultiert aus Anerkennung. Niemand in der CDU-Spitze macht ihr die »Verdienste« um die »Opfergruppe der deutschen Heimatvertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler« streitig, für die sie im letzten Jahr mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt wurde. Und wenn sie nicht selbst ihren Rückzug aus der CDU-Spitze angekündigt hätte, dürfte sie wohl bis zum Sanktnimmerleinstag drin bleiben.
Kann es Grund zur Hoffnung sein, dass Steinbach sich jetzt in der CDU-Führung isoliert sieht? Dass sie eine »Anpassung« ihrer Partei beklagt? Dass sie sich als einzig verbliebene Konservative betrachtet? Da diese Isolierung erst jetzt eintritt, muss man wohl annehmen, dass der giftige Streit mehr mit ihr als mit einem breiteren Stimmungswandel zu tun hat. Jemand, der die Hitlersche Kriegsbegründung auch nur in einem Zungenschlag übernimmt, der die Kriegslüge »Ab 5.45 Uhr wird zurückgeschossen« über das Geschichtsbild träufelt, auch wenn in vermeintlich unverdächtiger Verdünnung – der ist nicht zu halten. Nicht einmal für die CDU.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.