Anonymer Hinweis auf Altbekanntes
Wirbel um Linkspolitiker und Wachregiment-Dienst
Magdeburg (ND-Lasch). Der Umweltpolitiker André Lüderitz, der für die LINKE den sachsen-anhaltischen Landtag angehört, hat den Wehrdienst bei einem DDR-Wachregiment geleistet und nach einem Studium an der Offiziershochschule Löbau drei Jahre lang auch als Offizier in der Einheit gedient, bevor er 1984 auf eigenen Wunsch ausschied. Die Tatsachen sind bekannt und im Handbuch des Landtags nachzulesen, trotzdem sorgen sie jetzt für Wirbel. Die LINKE im Land habe, meldete die »Mitteldeutsche Zeitung« gestern, ihren »zweiten Stasi-Fall«; Lüderitz sei sieben Jahre lang hauptamtlicher MfS-Mitarbeiter gewesen. Die Einschätzung habe die Berliner Birthler-Behörde dem Stasi-Sonderausschuss im Landtag mitgeteilt, nachdem dieser wegen eines anonymen Hinweises eine Prüfung in Auftrag gegeben hatte.
Die Meldung klingt spektakulär. immerhin stehen im März in Sachsen-Anhalt Wahlen an, die LINKE strebt in die Regierung. Nachrichten über MfS-Fälle sind dazu angetan, Erinnerungen an den sehr holprigen Start der rot-roten Koalition in Brandenburg zu wecken, wo MfS-Kontakte mehrerer Linksabgeordneter wochenlang die Medien beschäftigt hatten.
Der vermeintliche Fall Lüderitz dürfte allerdings kaum für längere Berichterstattung taugen. Zwar ist die Nachricht formal korrekt: Bei Lüderitz' Dienststelle handelte es sich um das Regiment »Feliks Dzierzynski« und also das der drei Wachregimenter, das zum MfS gehörte. Aus dem Eintrag im Handbuch des Landtags und auf Lüderitz' Homepage geht das nicht direkt hervor; dort ist nur allgemein von »Wachregiment« die Rede. Allerdings sei die Tätigkeit in dieser MfS-Wachtruppe auch »nicht mit einer hauptamtlichen oder inoffiziellen Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit gleichzusetzen«, betont Wulf Gallert, Fraktionschef der LINKEN.
Diese Sichtweise stützt sogar eine Mitarbeiterin der Magdeburger Außenstelle der Birthler-Behörde, die von der MZ zitiert wird. Zwar sei das Wachregiment eine Struktureinheit des MfS und der Dienst freiwillig gewesen; ansonsten habe es sich aber um ein »ganz normales militärisches Dienstverhältnis« gehandelt. Gallert erklärt daher, der Hinweis auf das Wachregiment könne »von keinem falsch verstanden werden, der die Geschichte der DDR auch nur annähernd kennt«. Der LINKE-Spitzenkandidat für die Landtagswahl betont zudem, Lüderitz habe die entsprechenden Informationen stets offengelegt – »beginnend 1990 in der Region, auf Landes- unjd Listenparteitagen, zuletzt 2006 anlässlich seiner Landtagskandidatur«. Nun indes muss der Abgeordnete aus dem Harz die Tatsachen noch dem Sonderausschuss erklären.
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