Deutsche Bank vorerst in Rot
Postbankübernahme sorgt für hohe Verluste
Frankfurt am Main (dpa/ND). Die Übernahme der Postbank hat die Deutsche Bank im dritten Quartal 2010 tief in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich stand ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. Grund waren Belastungen aus der laufenden Übernahme der Postbank. Ohne diese Effekte in Höhe von 2,3 Milliarden Euro hätte die Bank einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro eingefahren. In den ersten beiden Quartalen 2010 wurden Milliardengewinne erzielt.
Bank-Chef Josef Ackermann zeigte sich zufrieden. »Die Ergebnisse des dritten Quartals zeigen einmal mehr, dass sich unser Geschäftsmodell auch in weiterhin schwierigen Märkten und einem herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld als sehr robust erwiesen hat«, sagte er.
Während viele Konkurrenten wie Morgan Stanley aus den USA oder Credit Suisse und zuletzt UBS aus der Schweiz wegen der allgemeinen Kundenzurückhaltung Probleme im stark von den Märkten abhängigen Investmentbanking hatten, konnte der deutsche Branchenprimus seinen Gewinn hier sogar steigern. Glänzen konnte die Bank dabei wieder einmal im Geschäft mit Anleihen und anderen Schuldtiteln.
Fortschritte vermeldete die Bank auch im Privatkundengeschäft. Trotz einer Belastung in Höhe von 52 Millionen Euro durch die jüngst übernommene Privatbank Sal. Oppenheim stieg der Vorsteuergewinn in diesem Segment von 283 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 323 Millionen Euro. Ackermann will die Bank unabhängiger vom Investmentbanking machen und stärkt den Bereich zur Zeit mit zahlreichen Übernahmen.
Finanzvorstand Stefan Krause bezeichnete das dritte Quartal als »Meilenstein« für die größte deutsche Bank. Zuletzt hatte die Bank mit der größten Kapitalerhöhung ihrer Geschichte Schlagzeilen gemacht. Mit den 10,2 Milliarden Euro aus dem Verkauf von neuen Aktien finanziert sie den bis zu knapp acht Milliarden Euro teuren Kauf der Postbank und rüstet sich für die künftig strengeren Regeln für Banken (Basel III). Experten hatten die Kapitalerhöhung gelobt, da Ackermann damit eine Vorreiterrolle in der Branche übernommen hat und zahlreichen anderen Banken zuvorgekommen ist.
Ebenfalls am Mittwoch wurde bekannt, dass das Stuttgarter Oberlandesgericht im Streit zwischen vier oberschwäbischen Kommunen und der Bank das Kreditinstitut zu Schadensersatz verurteilt hat. Ein Zivilsenat verpflichtete die Deutsche Bank zur Zahlung von 710 000 Euro. Einzelheiten zur Begründung lagen zunächst nicht vor. Der Abwasserzweckverband Mariatal hatte bei Zinsgeschäften eine halbe Million Euro verloren. Das Urteil hatte sich bereits angedeutet. Der Zivilsenat hatte damals darauf hingewiesen, dass die Bank Fehler gemacht und ein hochspekulatives Finanzprodukt angeboten habe. Ein Vergleich scheiterte.
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