• Politik
  • Fokus: Anti-Castor-Proteste

Bunter Auftakt zu Protesten

Schülerdemo und Landmaschinenschau

  • Reimar Paul, Lüchow
  • Lesedauer: 2 Min.

»Lernkraft statt Kernkraft«, steht auf einem Transparent. Auf einem anderen heißt es: »Ich bin nicht der Feind, ich will nur überleben.« Mit einer bunten und lauten Demonstration protestierten am Freitag in Lüchow Schülerinnen und Schüler mehrere Stunden lang gegen den Castor-Transport nach Gorleben – 1400 Jugendliche waren es nach Angaben von Bürgerinitiativen, die Polizei nannte 600 bis 800 Teilnehmer. In dem Zug rollten auch 15 mit Fahnen und gelben »X« geschmückte Traktoren mit.

Die Schülerdemonstration ist traditionell der Auftakt zur heißen Phase der Proteste gegen den Atommülltransport. Die Aktion der Schüler hatte das Motto: »Je länger eure Laufzeiten, desto größer unser Zorn«. Bei einer Kundgebung vor dem Kreishaus forderte eine Schülerin zu weiteren Protesten auf: »Lasst uns bei diesem CastorTransport ein Zeichen setzen«, rief sie ins Mikrofon. »Wir lassen das nicht länger mit uns machen.« Bis zu 70 Prozent der Bevölkerung seien gegen Atomkraft, trotzdem setze die Politik die Interessen der Konzerne mit Gewalt durch: »Ist sie das, die hoch gelobte Demokratie?«

Während der Demonstration klebten die Jugendlichen tausende Anti-Atom- und »Castor-Stopp«- Sticker auf Schaufensterscheiben und geparkte Autos. Die Polizei hielt sich sichtlich zurück, die Beamten beschränkten sich auf die Verkehrsregelung. In den vergangenen Jahren hatte es bei den Schüler-Demos mehrmals Auseinandersetzungen zwischen den Jugendlichen und der Polizei gegeben.

Die Proteste im Wendland hatten am Donnerstagabend mit einer »Landmaschinenschau« in der Ortschaft Metzingen begonnen. Rund 200 Atomkraftgegner blockierten die Bundesstraße 216 und zündeten auf der Fahrbahn eine Feuertonne an. Mehrere Traktoren kurvten durch das Dorf. Der Durchgangsverkehr stand etwa eine Stunde lang still, auch mehrere Lkw steckten fest. Als die Demonstranten die Straße auch nach mehrfacher Aufforderung nicht verließen, räumte die Polizei die Fahrbahn und drängte die Blockierer ab. Größere Zwischenfälle habe es dabei nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

Nahezu zeitgleich blockierten mutmaßlich Atomkraftgegner die Bahnstrecke westlich von Hitzacker mit einem großen Stein, der mit Anti-Atom-Parolen beschriftet war. Beamte hätten das Hindernis gegen Mitternacht entdeckt und entfernt, berichtete eine Sprecherin der Bundespolizei. Die 50 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg ist wegen des Atommülltransportes für den regulären Zugverkehr gesperrt. Dafür verkehren Busse.

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