Deutschland knausert bei Entwicklung
Berlin (epd/ND). Die Welthungerhilfe und das Kinderhilfswerk »terre des hommes« haben die Höhe der deutschen Entwicklungshilfegelder scharf kritisiert. Trotz der Verpflichtung, bis 2015 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens dafür auszugeben, habe die deutsche Entwicklungshilfe im vergangenen Jahr einen »Milliardenabsturz« auf einen Anteil von gerade einmal 0,35 Prozent erlebt, sagte der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Wolfgang Jamann, am Montag in Berlin. Mit 8,6 Milliarden Euro war sie um zwölf Prozent niedriger als im Jahr davor.
Dass es möglich sei, auch in Krisenzeiten die Hilfe für bedürftige Länder zu erhöhen, zeigten Frankreich mit einem Plus von 16,9 Prozent, Großbritannien (+14,6 Prozent), Finnland (+13,1 Prozent) und Belgien (+11,5 Prozent), sagte Jamann. Für dieses Jahr sehe der EU-Stufenplan für Deutschland einen Anteil von über 0,5 Prozent am Bruttonationaleinkommen vor, das Bundesentwicklungshilfeministerium gehe von 0,4 Prozent aus. »Die Diskrepanz zwischen der politischen Zusage und der tatsächlichen Haushaltsplanung der Bundesregierung könnte kaum größer sein«, bilanzierte Jamann bei der Vorstellung des »18. Be- richts zur Wirklichkeit der Entwicklungshilfe« der beiden Organisationen.
Kritisch sehen die Hilfswerke auch den Strategiewechsel unter Bundesminister Dirk Niebel (FDP) hin zu einer engeren Anbindung der Wirtschaft an die Entwicklungspolitik. Die Mittel für »Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft« seien in diesem Jahr um ein Viertel auf 60 Millionen Euro erhöht worden. Dies berge die Gefahr, so Danuta Sacher, Geschäftsführerin von »terre des hommes«, »dass dieses Geld zur Armutsbekämpfung und zur Stärkung öffentlicher Bildungs- und Gesundheitssysteme in den armen Ländern fehlt«.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.