Betriebsrat: Ja Gewerkschaft: Nein
Atlas-Chef verweigert Gespräch mit IG Metall
Seit über einem Monat streiken die Beschäftigten der Atlas Maschinenbau GmbH für die Übernahme des Flächentarifvertrags an den drei niedersächsischen Werksstandorten Delmenhorst, Ganderkesee und Vechta. Anfang dieser Woche zeichnete sich ein erster Etappensieg ab. Neueigentümer Fil Filipov bot der Belegschaft an, die von der IG Metall geforderten Konditionen zu akzeptieren. Der Haken: Filipov will dazu mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung abschließen. Mit der Gewerkschaft weigert er sich zu sprechen.
Die Streikenden lehnen das ab. Nach deutschem Recht dürfen nur Gewerkschaften Tarifverträge aushandeln. Außerdem dürfen Betriebsräte keine Streiks organisieren und gelten somit als »erpressbar«, wie es SPD-Chef Sigmar Gabriel am Dienstag im niedersächsischen Landtag formulierte. Der Bevollmächtigte der IG Metall Oldenburg, Hartmut Tammen-Henke, wertete das Angebot des Atlas-Eigners dennoch als Erfolg. Er warnte aber: »Ein Tarifvertrag ist sicherer als Filipovs Versprechungen.« Atlas-Betriebsratschef Holger Rigbers bestätigte in der Lokalpresse: »Unser Ansatz ist es nicht, uns von der Gewerkschaft zu verabschieden.«
Der aus dem sozialistischen Bulgarien geflüchtete Geschäftsmann Fil Filipov hatte den Traditionsbetrieb Atlas im Frühjahr für einen Euro vom TEREX-Konzern übernommen. Er weigert sich, die Belegschaft ab 2011 nach dem gültigen Flächentarifvertrag zu entlohnen. Über mehreren Monate verlangte die IG Metall, diese Modalitäten in allen drei Werken anzuwenden. Nachdem Filipov mehrere Gesprächsangebote der IG Metall ausgeschlagen hatte, leitete diese erste Arbeitskampfmaßnahmen ein. Als sich der Atlas-Chef weiterhin weigerte, rief die Gewerkschaft zur Urabstimmung auf.
Seit Ende Oktober haben sie die Arbeit unbefristet niedergelegt und den Ausstand auf alle drei Werke ausgedehnt. Filipov antwortete mitunter mit markigen Worten auf die Forderungen der Metaller. Eher solle seine Frau ihn »erschießen«, bevor er mit der Gewerkschaft einen Vertrag abschließe. Außerdem ließ er die Streikposten per Videokamera überwachen, bis ein Gericht diese Praxis verbot. Nach Gewerkschaftsangaben liegen die Produktionseinbußen trotz Streikbrechereinsatz bei rund siebzig Prozent.
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