Weg mit dem Rollator

  • Silvia Ottow
  • Lesedauer: 1 Min.

In regelmäßigen Abständen konfrontieren uns Statistik und Politik mit dem Horrorszenario der Altenrepublik Deutschland. Wir bekommen Scharen von weißhaarigen Gebrechlichen präsentiert, die in 30 oder 40 Jahren mit ihren Rollatoren die Gehsteige blockieren. Alle sind krank und alle brauchen Leistungen aus der Kranken- und Pflegeversicherung. Mit diesem Argument ist kürzlich die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung neu organisiert worden. Ergebnis: Die Versicherten zahlen mehr, die Leistungsanbieter kassieren mehr.

Doch ob es richtig ist, die Geldsorgen der Sozialsysteme allein auf die älter werdende Gesellschaft zu schieben, bleibt mehr als fraglich. Nicht nur bei der Rente mit 67 geht man ganz selbstverständlich davon aus, dass wir nicht nur älter werden, sondern auch länger gesund und leistungsfähig bleiben. In einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock heißt es, die stetig steigende Lebenserwartung führe auch dazu, dass der Alterungsprozess erst später einsetzt. Und im Magazin »Focus« liest man, die Generation 50plus sei heute gesünder und mobiler als ihre Vorgänger. Die Apotheken Umschau freut sich schon jetzt auf die heute Geborenen, die 100 Jahre alt werden und bis ins hohe Alter gesund bleiben. Die brauchen dann vielleicht gar keinen Rollator mehr und die Gesellschaft keine kapitalgestützte Pflegeversicherung.

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