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Gänsekiel gewählt
Der Erkenntniszuwachs in den Spitzen der deutschen Regierungspolitik ist schier unaufhaltsam. Während die Bundeskanzlerin nun auch bemerkt hat, dass es sich um Krieg handelt, womit die Bundeswehr in Afghanistan beschäftigt ist, erkennt ihr Stellvertreter Westerwelle, dass seine Partei, die FDP, in einen Sturm geraten ist. »Ich verlasse das Deck nicht, wenn es stürmt«, so der FDP-Chef. Wenngleich die Analyse verfeinert werden könnte, denn eigentlich ist vom Sturm (des Unmuts) nur er persönlich betroffen, seine Partei befindet sich vielmehr in einer Flaute (der Wählerzuwendung) – wären jetzt einige Voraussetzungen geschaffen, sich über die Folgen klar zu werden. Doch wie Merkel kommt auch Westerwelle nicht auf die Idee, etwas an der Situation zu ändern.
Im Zweikampf mit seinem Widersacher Möllemann verkündete Westerwelle einst: »Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, ist einer, der die Sache regelt. Und das bin ich!« Damit übernahm er die Verantwortung für den Zustand seiner Partei. Doch statt die Konsequenz zu ziehen, verkündet er wie seine Regierungschefin Durchhalteparolen. Das erinnert fatal an die von ihm einst gern ins Feld geführte spätrömische Dekadenz. Völlegefühl wurde nicht mit einem Abbruch des Essens beantwortet, sondern mit einem Gänsekiel. Gegen Seekrankheit hilft der freilich nicht.
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