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Morales' Rückzieher
Nur fünf Tage alt wurde das Dekret Nr. 748 in Bolivien. Durch Streichung der Subventionen für Treibstoff hatte Präsident Evo Morales die Wunde einer »blutenden Wirtschaft« schließen wollen. Milliarden waren seit 1985 ausgegeben worden, um die Preise für Benzin, Diesel und Flugzeugtreibstoff in einer der schwächsten Volkswirtschaften des Kontinents bezahlbar zu halten. Solche Subventionen helfen Armen und Reichen – Taxifahrern und Obsthändlern, Großgrundbesitzern und Eigentümern von Fluggesellschaften. Dieser Umverteilung ohne Differenzierung wollte Morales ein Ende setzen. Steigende Weltmarktpreise für Erdöl und die wachsende Nachfrage im Inland bei gleichzeitigem Rückgang der eigenen Förderung ließen die Preisstützung zum Fass ohne Boden werden. Zumal durch Schmuggel ein Zehntel des Geldes im Schwarzmarkt versickert. Weil der Subventionsstopp aber vor allem den »kleinen Mann« traf, ging der auf die Barrikade. Doppelte Kosten für den Bus zur Arbeit, mehr Geld für Brot und Fleisch sind den Ärmeren schwer zu erklären, zu abstrakt ist das »Wohl der Nation«. Frühere Regierungen hätten von IWF und Weltbank diktierte Entscheidungen mit Truppen und Panzern durchgesetzt, die »Regierung der sozialen Bewegungen« musste dagegen beweisen, dass sie wirklich »mit dem Gesicht zum Volk« regiert.
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