- Kommentare
- kommentiert
Passgerechtes Wegsehen
Günter Nooke (CDU) – er war zu DDR-Endzeiten Bürgerrechtler – will was lernen. Das hat der Außenamt-Afrika-Beauftragte, der zuvor im AA für Menschenrechte zuständig war, auch nötig. Man dürfe, so sagt Nooke jetzt zum Thema Tunesien, vor undemokratischen Entwicklungen künftig nicht mehr die Augen verschließen und Dinge nicht schönreden, die vielleicht nicht so gut sind. Zugleich hofft er, dass bald wieder Ruhe und Ordnung einkehren jenseits des Mittelmeeres.
Es ist nicht wahr, dass Deutschland die Augen verschloss, um die tunesische Realität zu übersehen. Im Gegenteil, es waren genau die Ruhe und Ordnung der Diktatur, die das Land interessant machten. Tunesien war ein verlässlicher Partner im Antiterrorkampf, hier durfte man jeden wegfangen, wegschließen, »wegmachen«, ohne dass es Aufsehen erregte. Unter nahezu idealen Bedingungen konnten westliche Dienste Außenpositionen einrichten. Fragt sich, zu wem die Bewaffneten, die man in Tunis angeblich mit deutschen Pässen erwischt hat, gehören – zum BND oder doch zum Mossad? Spätestens seit 2006 befürchtete man in der BND-Zentrale, dass Tunesien kippt und dass dann – wie in Algerien, Marokko oder Mauretanien – vorhandene, aber bislang unterdrückte Hardcore-Islamisten an Einfluss gewinnen. Die Option ist nicht angenehm.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.