Kein Wille
Standpunkt von Martin Kröger
Bei der gestrigen Räumung des Wohnprojekts Liebig 14 in Berlin ging es um mehr als ein Haus. Symbolisiert doch das Ende des alternativen Projekts in Berlin-Friedrichshain nachdrücklich einen Verdrängungsprozess aus der Innenstadt, dem auch viele andere Berliner immer mehr ausgesetzt sind. Sie können sich die rasant steigenden Mieten nicht mehr leisten. Kostengünstige Wohnungen auf dem Markt gibt es nicht. Diese sogenannte Gentrifizierung ist bittere Realität und keineswegs das Hirngespinst irgendwelcher »linker Spinner«, wie manch politisch Verantwortlicher im rot-roten Senat irrtümlich meint. Die linksradikale Szene in der Hauptstadt hat das verstanden. Auch deshalb gingen die gestrigen Proteste in Vehemenz und Zahl weit über das Übliche hinaus.
Indes hätte sich die Eskalation durchaus vermeiden lassen. Allein mit den hundertausenden Euro, die die Räumung mit 2500 Polizisten verschlungen haben dürfte, hätte sich sicher eine politische Lösung herbeiführen lassen. Doch die war gar nicht gewollt. Nicht einmal ein letztes Angebot hat der rot-rote Senat zustande gebracht.
Dass die Berliner Linkspartei fast ohne Mucken bei solchen martialischen Machtdemonstrationen mitzieht, macht nachdenklich. Früher fungierte die Partei mal als Mittler. Den Kontakt zum subkulturellen linken Milieu scheint sie inzwischen eingebüßt zu haben. Und dabei ging es doch um mehr als nur ein alternatives Hausprojekt.
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