Jalloh war Polizei wohl bekannt

  • Lesedauer: 2 Min.

Magdeburg (dpa/ND). Der in einer Polizeizelle ums Leben gekommene Asylbewerber Oury Jalloh könnte den Beamten des Polizeireviers schon Monate vorher bekannt gewesen sein. In einem Buch über freiheitsentziehende Maßnahmen finde sich vom 16. November 2004 ein Vermerk über eine Ingewahrsamnahme eines Menschen mit denselben Personalien, sagte die Vorsitzende Richterin Claudia Methling am Freitag im Landgericht Magdeburg. Bisher hatten die Polizeibeamten stets angegeben, Jalloh sei an seinem Todestag am 7. Januar 2005 festgenommen worden, weil seine Personalien nicht festgestellt werden konnten.

Ein Beamter, der am Freitag als Zeuge gehört wurde, sagte, ihm sei Jalloh nicht bekannt gewesen. Methling hielt ihm vor, dass er am 16. November – als Jalloh für kurze Zeit in Gewahrsam saß – Dienst gehabt habe. Er sei auch Einsatzführer gewesen, als die Beamten Stunden später zu einem anderen Vorfall mit Jalloh in der Dessauer Innenstadt gerufen wurden.

Das Gericht machte eine Strafanzeige vom frühen Morgen des 17. November 2004 gegen Jalloh ausfindig, die der Zeuge aufgenommen hatte. Er hatte den Asylbewerber am 7. Januar 2005 mit auf das Revier genommen, nachdem der angeblich Frauen belästigt hatte. Jalloh sei sehr aggressiv gewesen. Deshalb sei er in der Zelle gefesselt worden. Den Brand, bei dem er starb, soll er selbst gelegt haben.

Angeklagt ist ein Polizist wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Er soll den Alarm mehrmals ignoriert und zu spät reagiert haben.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.