Amtsanmaßung

Kommentar von Uwe Kalbe

  • Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 2 Min.

Hans-Peter Friedrich nimmt seine neue Aufgabe ernst. Als Minister für Inneres fühlt er sich auch für die inneren Werte der Gesellschaft zuständig und hat umgehend eine Debatte darüber angefacht. Dabei kann er sich auf überzeugte Helfer in seiner Partei stützen. Mit dem christlichen Menschenbild hat der baden-württembergische Ministerpräsident etwas ins Spiel gebracht, von dem beide, Hans-Peter Friedrich wie Stefan Mappus, glauben, dass es die Welt, zumindest die westliche Welt, im Innersten zusammenhält. Das christliche Menschenbild ist es, das die Politik in Deutschland, ihre Werte und Normen bestimme.

Doch stimmt das? Erst recht: Ist damit ein anderes, etwa ein islamisches Menschenbild in Schach zu halten? Und entspricht die Degradierung anderer Religionen etwa dem christlichen Menschenbild? Allerdings tut es das, leider. Das christliche Menschenbild ist mit Schwert und Kreuz gefügt worden, die moderne Gesellschaft verdient nicht Anerkennung und Verteidigung, weil sie das Erbe einer religiösen Tradition ist, sondern weil sie sich davon im Laufe der Jahrhunderte wenigstens teilweise emanzipiert hat. Das zivilisierte Menschenbild ist von allem Möglichen geprägt, und ob der Drang nach Selbstüberhebung mit dem christlichen oder einem anderen Menschenbild erklärt werden kann, ist eine interessante Frage. Nur sollte dies nicht Friedrichs Aufgabe sein. Wenn er den Menschen ins Herz sehen wollte, hätte er Internist werden sollen.

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