Abschied auf Raten

  • Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Wettstreit der Systeme war ohne Zweifel ein stärkerer Antrieb für die Raumfahrt als alle wissenschaftliche Neugierde und die ehrgeizigen Visionen der Science-Fiction. Dass die technischen Entwicklungen für Flüge in die Erdumlaufbahn oder zum Mond sich auch noch militärisch nutzen ließen, brachte zusätzlichen Schub. Die bemannte Mondlandung der USA, automatische Sonden zu anderen Planeten, die Raumstationen der Sowjetunion und das Space Shuttle der USA waren spektakuläre Ergebnisse dieses Kampfs um Prestige. Die Mondflüge blieben ein weitgehend folgenloses Intermezzo, der wissenschaftliche Nutzen bemannter Raumstationen blieb umstritten und das pannengeplagte Shuttle-Programm geht mit der Landung von »Discovery« dem Ende zu. Dass China inzwischen mit eigenen Raketen Menschen ins All schickt, lässt manchen an einen bloßen Wechsel der Akteure glauben. Doch alle bislang betriebenen Trägersysteme für Weltraumflüge zeigen eine Schwäche, die die Visionen von routinemäßigen Flügen zu anderen Planeten oder gar zur Besiedlung des Alls zu Makulatur machen. Die chemischen Antriebssysteme bringen es mit sich, dass bei jedem Flug nicht etwa das bemannte oder unbemannte Raumschiff die Hauptlast ist. Bei den Shuttles kommt auf eine Nutzlast von rund 20 Tonnen das knapp Hundertfache an Treibstoff. Verbrauchswerte, die nicht einmal die stillgelegten Überschall-Passagierflugzeuge aufwiesen. So wird der Abschied von den Shuttles wohl ein Abschied von den Prestigeprojekten in der Raumfahrt sein. Was bleibt, ist vor allem das, was uns auf der Erde nutzt – Satelliten für Kommunikations- und Navigationssyteme – und etwas mehr Wissenschaft.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.