Sonne lacht für alle

Anti-AKW-Symbol ist in der »Bravo« angekommen

  • Lesedauer: 2 Min.
Anna Lund
Anna Lund

Nun ist sie wieder überall, die rote lachende Sonne auf gelbem Untergrund. In hunderttausendfacher Ausführung geht das Symbol der Anti-AKW-Bewegung an diesem Samstag auf die Straße. Kurz vor dem Wochenende soll es sogar zu Lieferengpässen gekommen sein. Bis zu 800 Bestellungen am Tag seien eingegangen, normal seien 10 bis 20, vor Demos 200, hieß es am Donnerstag bei der Initiative »ausgestrahlt«, die das Signet in Deutschland vertreibt.

Dafür teilt der Bauer-Verlag mit, dass seine Teenie-Zeitschrift »Bravo«, die bundesrepublikanische Jugendzimmer seit Jahrzehnten mit harmlosen Idolen bestückt, erstmals ein politisches Plakat in seiner Heftmitte drucke. Es ist, natürlich, die rote Sonne mit dem Slogan »Atomkraft? Nein danke!« Laut Chefredakteur sind die Bravo-Leser »die Generation, die mit den Folgen unserer heutigen politischen Entscheidung Pro oder Contra Atomkraft leben« muss.

Spätestens seit der Laufzeitverlängerung im Herbst, erst recht im Licht der aktuellen Katastrophe, ist die lachende Sonne, die beim EU-Harmonisierungsamt als »Gemeinschaftsmarke 004193091« eingetragen ist, präsenter denn je. Dabei schien das Symbol bereits Geschichte. Im Deutschen Historischen Museum trägt ein Anstecker mit der Sonne die Inventarnummer »1991/2988.9«.

Die ersten 500 Exemplare der höflich formulierten Absage an die Nuklearenergie kamen am 1. Mai 1975 auf einer Kundgebung im dänischen Aarhus in den Umlauf. Die damals 21-jährige Studentin Anna Lund, so die Legende, hatte das Signet beiläufig auf Papier gekritzelt: »Atomkraft? Nej Tak«.

In Dänemark hatten die Atomkraftgegner schnell Erfolg. Auch wegen des breiten Widerstandes stieg man gar nicht erst in den Atomstrom ein. Die Zeichnung der heute 57-Jährigen Dozentin aber verbreitete sich rasend schnell. Schon 1977 schrieb der »Spiegel« von »millionenfacher« Verbreitung. Heute geht man von mehr 20 Millionen aus – in 45 Sprachen. Die Sonne ist damit eines der ganz großen Markenzeichen.

Reich geworden ist aber niemand damit. Von Anfang an musste, wer das Symbol nutzen wollte, nur einen symbolischen Betrag an eine dänische Atomgegnerstiftung bezahlen. Das gilt auch für die Kaffeeschaum-Schablonen, die »ausgestrahlt« neuerdings anbietet. Und bei denen gibt es auch keine Lieferprobleme. Velten Schäfer

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