Ein Gefühl für die Ewigkeit
Hertha BSC erfüllt mit Sieg in Duisburg die Mission Aufstieg und verlässt die 2. Liga gestärkt
Ein Abschied muss nicht immer schwer fallen und schmerzen: Auf dem Duisburger Rasen fröhlich tanzend, sagten die Spieler von Hertha BSC nach dem 1:0 gegen den MSV der Zweitklassigkeit Lebewohl. Geht es nach den mitgereisten Fans, wird es ein Nimmerwiedersehen. »Nie mehr zweite Liga«, schallte es unaufhörlich aus rund 3000 Kehlen. Durch das Tor von Adrian Ramos in der 27. Minute machten die Berliner drei Spieltage vor Schluss den sofortigen Wiederaufstieg am Ostermontag frühzeitig perfekt.
Trotz einer kurzen Nacht in einem Oberhausener Hotel war Hertha auch einen Tag später noch schneller als erwartet. »Ich habe nur noch blau und weiß gesehen«, war eine Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes am Flughafen Tegel überwältigt. Damit meinte sie nicht das überdimensionale Vereinslogo auf der Grünfläche des Vorplatzes oder die vier Klubfahnen, sondern hunderte Hertha-Fans, die den Ausgang vom Gate A1 belagerten.
Als der Airbus mit der Hertha-Besatzung um 11:44 Uhr 16 Minuten früher als geplant in Berlin aufsetzte, hallte der erste große Jubel durch das Flughafengebäude. Als die ersten übernächtigten Gesichter des Berliner Trosses zu sehen waren, gab es kein Halten mehr. Umarmungen für die Lieblinge, Autogramme und Aufstiegsshirts für die Fans und minutenlanges gemeinsames Feiern der wiedergewonnenen Erstklassigkeit: »Nie mehr zweite Liga.«
»Einfach Wahnsinn«, war der erst 19-jährige Stürmer Pierre-Michel Lasogga von dem Empfang besonders beeindruckt. Manchmal ist nach Hause kommen eben besonders schön. Für Hertha gilt dies im doppelten Sinn, denn den Abstieg im Mai 2010 bezeichneten die Berliner stets als Betriebsunfall. Angetreten mit dem klaren Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs, ließen sie nie einen Zweifel, wohin sie eigentlich gehören. Wieder zurück in Berlin und der ersten Liga tragen am Dienstag Fans und Spieler gemeinsam die Shirts mit der Aufschrift »Mission erfüllt«.
Solche Szenen und über 70 000 Zuschauer gegen biedere Gegner wie den SC Paderborn machen das Zweitligajahr für Michael Preetz aber auch zum Gewinn: »Der Zusammenhalt zwischen Team, Verein und Umfeld ist enorm gewachsen. Davon werden wir noch profitieren.« Und einen hebt der Manager besonders hervor: Trainer Markus Babbel. »Er hat aus den Spielern eine charakterstarke Mannschaft geformt, die mit Nervenstärke in der Lage war, dem Druck standzuhalten«, so Preetz.
Als der 38-jährige vor Saisonbeginn nach Berlin kam, kannte er die Rahmenbedingungen und maß sich von Anfang an selbst daran. Hertha hatte mit 40 Millionen Euro den mit Abstand größten Etat und erstklassige Spieler wie den Brasilianer Raffael oder den Kolumbianer Adrian Ramos gehalten: Der Aufstieg war von existenzieller Bedeutung. Ein zweites Jahr zweite Liga mit halbiertem Etat hätte Hertha um Jahre zurückgeworfen. Babbels Einjahresvertrag sah dabei nur im Aufstiegsfall eine Verlängerung bis 2012 vor. »Ich war immer davon überzeugt, dass wir aufsteigen«, sagt er heute. Dieses Selbstbewusstsein hat die Mannschaft durch die Saison getragen.
Auch in Duisburg war der Druck noch zu spüren. »Das war kein gutes Spiel, aber wir haben gewonnen«, hakte Preetz die spielerisch durchwachsene Leistung ab. Nach der Ankunft in Tegel war allen anzusehen: Er war endlich weg. »Das Gefühl bleibt für die Ewigkeit«, fand Kapitän Andre Mijatovic epische Worte der Erleichterung.
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