Abwimmelversuche gegenüber City-BKK-Mitgliedern weiter in der Kritik
Kassenverband: Versicherte haben freie Kassenwahl
Die seit längerem finanziell angeschlagene City BKK wird zum 1. Juli geschlossen. Die Situation, dass damit relativ plötzlich eine große Zahl von Versicherten eine neue Krankenkasse sucht, sei neu, betonte der GKV-Spitzenverband. Die Schwierigkeiten einzelner Versicherter, eine neue Kasse zu finden, sei »diesen Anfangsschwierigkeiten geschuldet«. Der Kassenverband erwarte aber, dass diese »nun abgestellt werden«.
Die AOK in Berlin berichtet unterdessen über einen enormen Andrang von Mitgliedern der City BKK, die vor allem in der Hauptstadt und in Hamburg bislang viele Versicherte hatte. Seit Anfang der Woche hätten die örtlichen Filialen einen »Riesenansturm« von Betroffenen zu verkraften, sagte der Vorstandschef der AOK Nordost, Frank Michalak, dem Berliner »Tagesspiegel« vom Freitag. Der Ansturm treffe die AOK weitgehend unvorbereitet. Dabei passierten »dann auch die ein oder anderen Fehler".
Dem Bundesversicherungsamt liegen nach Angaben von Freitag aktuell 20 bis 30 Beschwerden von City-BKK-Versicherten vor, denen nun in jedem Einzelfall nachgegangen werde. Nach »Tagesspiegel«-Informationen waren es unter anderen Mitarbeiter der AOK, der Barmer GEK, der Techniker Krankenkasse und der Hanseatischen Krankenkasse (HEK), die versuchten, Versicherte der Pleite-Kasse vom Kassenwechsel abzuhalten. So habe die Techniker Krankenkasse etwa einer 83-Jährigen erklärt, dass es für Neuaufnahmen eine Altersgrenze von 80 Jahren gebe. Um ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen, haben AOK und BKK-Bundesverband laut Zeitungsbericht nun alle Kassenverbände für den 19. Mai zu einem Krisentreffen geladen.
Unterdessen droht den 1,1 Millionen Mitgliedern der Krankenkasse Vereinigte IKK womöglich ein Zusatzbeitrag. »Wenn es keine finanzielle Hilfe gibt, dann ist ein Zusatzbeitrag unvermeidlich«, sagte der SPD-Politiker Klaus Brandner, der im Verwaltungsrat der Kasse sitzt, dem Onlineportal der »Welt«. Der Verwaltungsrat beriet am Freitag in Berlin über die Sanierung der Kasse. Wegen des hohen Kostendrucks verhandelt die Vereinigte IKK derzeit mit anderen Innungskassen über eine freiwillige Finanzhilfe. Eine Sprecherin der Kasse sagte »Welt online«, es würden »verschiedene strategische Optionen zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit« diskutiert.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.