Castortransport genehmigt
Atomkraftgegner im Wendland starten Mobilisierung zu Protesten
Das Bundesamt für Strahlenschutz genehmigte jetzt den Transport von elf Behältern mit Glaskokillen aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. In die Glaskokillen sind stark strahlende Abfälle eingeschmolzen, die in La Hague als Rückstände beim Recycling abgebrannter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken entstanden sind.
Der nun genehmigte ist der 13. und letzte Castortransport aus Frankreich nach Gorleben. Die Firma Nuclear Cargos&Service, Spediteur des Atommülls, hatte am 18. Februar den Castortransport aus La Hague beim BfS beantragt. Sie muss den konkreten Transporttermin nun mit den Innenministerien der beteiligten Länder abstimmen. Die Genehmigung erlischt am 31. Januar 2012. Atomkraftgegner rechnen fest mit einem Termin im November. In den vergangenen Jahren rollten die Transporte immer in diesem Monat. Ein Grund: das dann oft schlechte Wetter soll Umweltschützer vom Demonstrieren und Blockieren abhalten.
Das Kalkül ging allerdings insbesondere im vergangenen Jahr nicht auf. Tausende Atomkraftgegner konnten den Castortransport im November 2010 durch Massenblockaden auf Schienen und Straßen aufhalten. Gegner ketteten sich an Betonpyramiden, trieben eine Schafherde auf die Transportstrecke und Bauern blockierten mit ihren Traktoren und umgesägten Bäumen den Nachschub der Polizei. Die Kosten für den Schutz der strahlenden Fuhre summierten sich für das Land Niedersachsen auf 33,5 statt der kalkulierten 22 Millionen Euro.
Die Atomkraftgegner aus dem Wendland rufen auch für den nächsten Transport zu massenhaftem Protest auf. Die Kampagne steht unter dem Motto »Jetzt schlägt’s 13«, teilte die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg mit. Bereits bei der am Donnerstag eröffneten und bis Pfingsten laufenden »Kulturellen Landpartie« im Kreis Lüchow-Dannenberg soll kräftig für Demonstrationen und Aktionen geworben werden. Die Umweltschützer befürchten, dass die Castortransporte Gorleben auch als Endlagerstandort festschreiben.
Auch gegen die im vergangenen Jahr wieder aufgenommene Erkundung des Salzstocks Gorleben – die BI spricht von einem Weiterbau des Endlagers – soll es Proteste gegen. Ab Mitte August wollen die Atomgegner die Baustelle ein ganzes Jahr lang blockieren. An jedem Tag soll eine andere Initiative die Blockade organisieren. Die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek kündigte gestern auch für das Pfingstwochenende Protestaktionen in Gorleben an.
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