Gedenken Zehntausender an Putsch in Honduras
Massendemonstrationen gegen anhaltende Repression / Ex-Präsident Zelaya wirbt für neue Partei der Demokratiebewegung
Das zentrale Bündnis der Demokratiebewegung, die Nationale Front des Volkswiderstandes (FNRP), mobilisierte zu der Hauptkundgebung in die nördliche Industriestadt San Pedro Sula. Die Aktivisten forderten von der De-facto-Regierung unter Führung des Unternehmers Porfirio Lobo ein Ende der Repression. Zugleich bereitet sich die Demokratiebewegung auf eine Teilnahme an den kommenden regulären Präsidentschaftswahlen 2013 vor.
Auf einem landesweiten Kongress der FNRP hatten die rund 1500 Delegierten unlängst für einen Vorschlag Zelayas zur Gründung einer politischen Partei gestimmt. Die neue Kraft mit dem Namen Breite Front des Volkswiderstandes (FARP) soll das maßgebliche Instrument zur Rückeroberung der Regierungsmacht sein. Bei der Kundgebung in San Pedro Sula rief Zelaya die De-facto-Regierung auf, eine freie Beteiligung der Oppositionspartei an den Wahlen zu ermöglichen. Die rechtsgerichtete Liberale Parte, für die Zelaya 2006 in das Präsidentenamt gewählt worden war, schloss den prominenten Politiker indes per Vorstandsbeschluss aus.
Die Frage der Beteiligung an Wahlen ist in der Demokratiebewegung von Honduras umstritten. Während Zelaya-nahe Kräfte auch am Dienstag für diese Option plädierten, äußerte der Gewerkschafter und Sozialaktivist Carlos H. Reyes Vorbehalte. »Der soziale Kampf und der politische Kampf sind zwei getrennte Dinge«, sagte der Putschgegner, der sich gleichwohl dem Votum der FNRP-Versammlung beugen will.
Während in San Pedro Sula die politische Debatte dominierten, kam es in anderen Teilen des Landes erneut zu gewaltsamen Übergriffen der Polizei auf Demonstranten. Vor dem US-Militärstützpunkt Palmerola nahe des zentralhonduranischen Ortes Comayagua hatten Aktivisten der Demokratiebewegung gegen die Präsenz der ausländischen Truppen protestiert.
Die FNRP wirft der US-Armee vor, den gewaltsamen Putsch gegen die Zelaya-Regierung Ende Juni 2009 logistisch unterstützt zu haben. Die Beseitigung der damaligen Regierung sei ein zentrales Anliegen Washingtons gewesen, weil sie wirtschaftlichen Zielen der USA im Wege stand, erklärte Bertha Cáceres von der Sozialorganisation COPINH.
ND-Karte: Wolfgang Wegener
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.