Im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

Dänisches Bildungsministerium startet mehrere Initiativen zur Weiterbildung

  • Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.
Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause und den bevorstehenden Wahlen im Herbst beschloss eine deutliche Mehrheit der dänischen Regierungs- und Oppositionsparteien, zusätzlich 100 Millionen Kronen, etwa 14 Millionen Euro, für zwölf Initiativen bereitzustellen, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Verglichen mit anderen europäischen Ländern haben junge Leute in Dänemark die besten Chancen, eine Ausbildung zu beginnen bzw. eine Arbeit zu bekommen, denn offiziell sind nur rund fünf Prozent arbeitslos gemeldet. Was Politiker und Fachleute in diesen Tagen jedoch beunruhigt, ist der rasante Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit, die sich im Gefolge der Krise mehr als verdoppelte.

Bildungsexperten sind sich jedoch darin einig, dass es nicht das Alter ist, das die Arbeitslosigkeit steigen lässt, sondern der Mangel an praktischer Erfahrung und Wissen. Hier setzt das Bildungsministerium an, beispielsweise wird die Länge der Unternehmenspraxis für Auszubildende von vier auf 13 Wochen verlängert: Jugendliche erhalten Arbeitslosengeld, während sie einer regulären Arbeit nachgehen. Die Hoffnung ist, dass die für die Unternehmen kostenfreie Arbeitskraft so überzeugend ist, dass die Arbeit in einen regulären Lehr- oder Arbeitsplatz mündet.

Ein anderes Projekt zielt darauf, arbeitslosen, jungen Facharbeitern Qualifizierungsmöglichkeiten an konkreten Arbeitsplätzen – insbesondere im Baugewerbe – zu geben, während sie weiter Arbeitslosengeld beziehen. Normalerweise ist Ausbildung unter dieser Bedingung nicht möglich in Dänemark, da der Arbeitslose währenddessen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht. Da das Baugewerbe sich jedoch in der Rezession befindet, waren die politisch Verantwortlichen bereit zu pragmatischem Handeln.

Andere Initiativen richten sich an junge Akademiker. Mit der sogenannten Wissenspilotausbildung sollen Möglichkeiten geschaffen werden, zeitweilige Jobs in klein- und mittelständischen Unternehmen zu bekommen, die sonst nicht die Finanzkraft hätten, einen Akademiker einzustellen. Hier ist die Erwartung, dass das Extrawissen die Firma überzeugt, dass ein Akademiker mit seinem Wissen zum Unternehmensertrag beisteuert, so dass es sich lohnt, ihn unter normalen Umständen zu beschäftigen. In diesem Bereich, der in der dänischen Industrie dominierend ist, muss sich erst die Erkenntnis durchsetzen, dass akademisches Wissen, das nicht auf den ersten Blick mit dem Produktionsprofil des Unternehmens zusammenfällt, von Nutzen ist. In der Regel haben es Akademiker jedoch leichter, Arbeit zu finden.

Der letzte Komplex der ministeriellen Anstrengungen richtet sich an die Jugendlichen mit den schlechtesten Ausgangsbedingungen. Die Zahl der Jugendlichen, die die Schule ohne grundlegende Kenntnisse verlässt – sprich Semi-Analphabeten – ist auch im Sozialstaat Dänemark steigend. Hier handelt es sich zumeist um Jugendliche, in der Mehrheit Jungen, aus Familien arbeitsloser Eltern und Einwanderer mit Sprachproblemen. Ihnen fehlen oft minimale Kenntnisse, Lese-Schreib- und Rechenkurse sollen ihnen helfen, zumindest eine einfache Ausbildung zu beginnen.

Die stellvertretende Vorsitzende des Gewerkschaftsdachverbandes LO, Lizette Risgaard, bezeichnete die Maßnahmen als kleinen Schritt in die richtige Richtung, »aber die Ambitionen müssen höher werden, um nicht eine ganze Generation zu verlieren.«

Offizielles Regierungsziel ist es, dass 95 Prozent der Jugendlichen in Ausbildung oder Arbeit sind. Oft fehlt es allerdings an der Koordinierung für den Einzelnen zu einem zielgerichteten Verlauf der Maßnahmen, der verhindern soll, dass notwendige Kurse oder Praxiswochen zu einer Warteschleife werden, die lediglich die Statistik verschönt.

Der Seniorberater des Industrieverbandes, Jørgen Bang-Petersen, begrüßte es ebenfalls, dass die Parlamentarier Verantwortung übernehmen bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, »aber die wichtigsten Faktoren sind das dänische Flexcurity-Modell und die Anstrengungen, die jeder einzelne Jugendliche unternimmt.«

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