Am deutschen Wesen ...

Standpunkt von Dieter Janke

  • Lesedauer: 1 Min.

Angesichts der sich zuspitzenden Euro-Krise vermittelt das immer hektischere Agieren der finanzpolitischen Eliten mehr und mehr den Eindruck beängstigender Hilflosigkeit. Mit den lauter werdenden Zusicherungen, die Währung auf jeden Fall zu retten, wird zu kaschieren versucht, dass man eigentlich nur noch Getriebener ist. Für eine ernsthafte Debatte über Ursachen bleibt da wenig Zeit – gleichwohl jedermann weiß: Die Philosophie, mit der die Einheitswährung seinerzeit in die Welt gesetzt wurde, war und ist ihrem Wesen nach eine bundesdeutsche. Und gerade jetzt verdient die deutsche Exportwirtschaft kräftig mit.

Einer der Geburtshelfer des Euro war Hans Eichel, seinerzeit Finanzminister im rot-grünen Kabinett, dessen Politik den hiesigen Reallohnschwund der vergangenen Jahre verantwortet. Mit Eichel sicherte die deutsche Exportwirtschaft ihre Dominanz im Euroraum – deren Kehrseite ist eben jene Verschuldung, die Griechenland, Italien, Spanien und Portugal zu willfährigen Angriffszielen der Finanzmärkte gemacht hat. Ignorant gegenüber diesen Hintergründen des deutschen Aufschwungs meint nun derselbe Eichel oberlehrerhaft, zur Heilung der Probleme wünsche sich Europa nichts sehnlicher als »deutsche Führung«. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen? Dann bliebe lediglich noch zu klären, wer sich zukünftig verschulden soll, um den teutonischen Sonderweg weiterhin abzusichern.

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