»Regenschauer« über Terrorverdächtigen

Berliner Polizei nahm zwei mutmaßliche Bombenbastler fest – Ziele und Motive noch unbekannt

  • René Heilig
  • Lesedauer: 3 Min.
Kurz vor dem zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September haben Sicherheitsbehörden in Berlin zwei mutmaßliche Bombenbastler festgenommen. Der Generalbundesanwalt hat das Verfahren bisher nicht übernommen, das deutet auf eine minderschwere Gefährdung hin.

Passend zur morgendlichen Wetterlage lautete der Codename des angeblich monatelang vorbereiteten Zugriffs »Regenschauer«. Festgenommen wurden ein 24-jähriger Deutscher libanesischer Abstammung, der an der Humboldt-Universität Medizin studieren soll, und ein 28-Jähriger aus dem Gaza-Streifen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des »Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat«.

Bis gestern mussten sich hauptstädtische Terroralarmisten mit einer Handvoll verbaler Terror-Unterstützer sowie zwei Selbst-Bau-Bömbchen begnügen, die in einem Weddinger Park und einem nahen Friedhof verpufften. Gestern gingen den Behörden offenbar zwei größere, doch nicht unbedingt kluge Fische ins Terrornetz. Man durchsuchte ihre Wohnungen in Kreuzberg und Neukölln sowie die Räume des Vereins »Islamisches Kulturzentrum für religiöse Aufklärung« und der Ar-Rahman-Moschee im Wedding.

Beide Einrichtungen, so betonten Polizei und Staatsanwaltschaft mit Nachdruck, hätten nichts mit dem möglichen Terrorfall zu tun. Wohl aber hielten sich die beiden Verdächtigen dort mehrfach auf. Sogar übernachtet sollen sie in den Räumen haben. Gesucht wurden offenbar nicht nur Hinweise auf Anschlagsziele, sondern auch Laboreinrichtungen, die nötig sind, will man aus alltäglichen Materialien einen Explosivstoff mixen.

Offiziell heißt es: Die Ermittlungen seien durch Hinweise von Firmen aus Berlin und in Baden-Württemberg in Gang gesetzt worden, bei denen Bestellungen eingegangen sind. Den Betreibern waren die angeforderten Mengen verdächtig vorgekommen. Ob die Waren ausgeliefert worden sind, wo sich die Substanzen befinden und ob sie schon verwendet wurden, ist nicht bekannt.

Verdächtig war vor allem, dass in großen Mengen Kühlpads bestellt wurden. Möglich, dass die Bombenbastler auf Ammoniumnitrat aus waren. Der Düngemittelgrundstoff ist auch in Instant-Kühlpads für Sportverletzungen enthalten und geeignet, in Verbindung mit weiteren Substanzen Sprengwirkung zu entfalten. Durch simple Internetrecherche hätten die Möchtegern-Terroristen wissen können, dass die Bestellung größerer Mengen das Bundeskriminalamt auf den Plan ruft. Aus der Landwirtschaft, so heißt es, haben die beiden dann auch noch größere Mengen einer nicht näher bezeichneten Säure bezogen.

Laut Landeskriminalamt gebe es bei den Verdächtigen derzeit keine Erkenntnisse über Verbindungen zu einschlägig bekannten militanten Gruppen im Ausland.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte jüngst der »Bild«-Zeitung erzählt: »Wir haben fast 1000 Personen, die man als mögliche islamistische Terroristen bezeichnen könnte. Davon wiederum sind 128 Gefährder, also Personen, bei denen Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie erhebliche Straftaten begehen könnten ...« Terrorfahnder behaupten, das Abwehrnetz in EU-Europa sei nach den Anschlägen vom 11. September 2001 so eng geknüpft worden, dass sich unter drei islamistischen Verschwörern mindestens ein Informant befindet. Das Problem – siehe Norwegen – seien Einzeltäter, die, anders als die beiden nun Festgenommenen, ihre Taten über einen langen Zeitraum sorgsam planen und die Vorbereitungen geschickt tarnen.

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