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Nennen wir es mal Willy-Brandt
Lafontaines Hilfskorps
Oskar Lafontaine hat die Aufstellung einer humanitären Hilfstruppe als Bundeswehr-Ersatz vorgeschlagen, meldete die »Süddeutsche Zeitung« gestern. Eine interessante, wenngleich nicht neue Idee. Schon seit Jahren propagiert Lafontaine Grünhelme für die internationale Katastrophenhilfe. Auf dem NRW-Landesparteitag der LINKEN Mitte September hatte er die Idee mit dem Zusatz versehen: »Ich schlage vor, es ?Willy-Brand-Korps? zu nennen.«
LINKEN-Chef Klaus Ernst hat sich laut »Süddeutscher« positiv geäußert: »Der Name ist genau richtig.« Und genau darüber sollte man - so wie über Auftrag, Auffüllung, Ausstattung und Unterstellung des Korps - mal nachdenken.
Lafontaine wie Ernst betonen Brandts Grundprinzip, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen dürfe. Unbestritten sind Brandts große Verdienste beim Entspannen des Kalten Krieges, das Leute wie Egon Bahr und andere strategisch planten und mit Gleichgesinnten auf der anderen Seite der Ost-West-Grenze aushandelten. Und sicher ist, dass Brandts politischer Enkel Lafontaine auch in dieser Frage im Banne des großen Sozialdemokraten steht. So ist dessen Frust über die »Menschenrechtsbellizisten« in SPD und bei den Grünen absolut verständlich. Recht hat er, wenn er fordert: »Die Milliarden, die bisher für Kriege ausgegeben werden, wollen wir für Hilfe bei der Bewältigung internationaler Krisen und Katastrophen einsetzen.«
Brandt amtierte als Außenminister und Kanzler zwischen 1966 und 1974. Dass die alte Bundesrepublik - wie die DDR, das soll nicht vergessen sein - an keinen Kriegen direkt teilgenommen haben, erklärt sich nicht nur aus Brandts Friedenswillen, sondern vor allem aus ihrer (nicht souveränen) Einbindung in Blöcke.
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Mit Brandts Namen ist das wie mit jedem anderen Erbe auch: Alles oder nichts.
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