Lehrstunden im Elektromobil
Kurze Ausfahrt: Unterwegs im Peugeot iOn
Ein Dreh am Zündschlüssel, ein Piepsen ertönt, »READY« steht in grünen Lettern auf dem Kombiinstrument: Der Motor des Peugeot iOn ist bereit zum Losfahren, zu hören ist rein gar nichts. Den Ganghebel auf »D« gestellt, und Gas - Pardon! - Strom gegeben: Ab auf die Straße in Peugeots Elektroflitzer mit Lithium-Ionen-Batterie!
Vier Türen, vier Sitze, Länge 3,49 Meter, Höchstgeschwindigkeit 130 km/h: Der iOn, der baugleich mit dem Mitsubishi i-MiEV ist, wurde ohne Zweifel für die Stadt konzipiert. Beim Anfahren erschrickt der ungeübte Fahrer beinahe. Bereits beim Start steht das volle Drehmoment von beeindruckenden 180 Newtonmetern bereit. Der iOn hängt an der Ampel locker so manchen gängigen Kleinwagen ab.
Während des Fahrens ohne Verbrennungsmotor kann man einiges lernen: Zum Beispiel, wie hoch der Anteil der Windgeräusche bei einem Auto ist - trotz des nur zart sirrenden Permanentmagnet-Synchronmotors ist im iOn bei Tempo 60 ziemlich, bei Tempo 100 unangenehm laut. In der Stadt bereitet der wendige und flinke Stromer Freude, für Autobahnfahrten ist er kaum geeignet. Und auf dem Supermarktparkplatz ist er ein bisschen gefährlich, weil kein Passant ihn hört. Die Hupe muss regelmäßig benutzt werden.
Still zischt das Elektroauto durch die City, die Reichweitenanzeige lehrt dabei, welche Energiemassen so gewöhnliche Dinge wie Klimaanlage, Heizung oder Scheinwerfer verbrauchen. 130 km soll der vollaufgeladene iOn schaffen, 124 km zeigt das »getankte« Testmodell an. Doch schaltet man die Klimaanlage an, korrigiert die Anzeige sofort auf 88 km, das Radio mindert die Reichweite noch weiter.
Die Angst vorm Liegenbleiben sitzt deshalb stets im Hinterkopf, schließlich gibt es so selten Steckdosen am Straßenrand. Der Abschleppdienst wäre die letzte Alternative. Auch dauert das Laden lange, an einer 230-V-Steckdose (16 A) sechs Stunden. Es ist nur praktikabel, wenn man den Wagen in einer Garage oder zumindest auf einem geschlossenen Grundstück lädt. An einer der seltenen öffentlichen Schnellladestationen ist hingegen nur eine halbe Stunde einzuplanen, um die Akkus auf 80 Prozent ihrer Ladekapazität zu bringen. Insgesamt bleiben das Laden und die Batteriekapazität Schwachstellen.
Zu kaufen gibt es den iOn noch nicht, er ist derzeit nur im Full-Service-Leasing (inklusive Wartung, Garantie und Peugeot Assistance ab 491 Euro netto) erhältlich - eher interessant für Geschäftskunden mit viel Umweltbewusstsein. Für den Angebotspreis von derzeit 49 Euro pro Tag (9 bis 18 Uhr) kann man den kleinen Stromer in Peugeot-Autohäusern mieten.
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