Beim Wort nehmen
Kommentar von Klaus Joachim Herrmann
Vor der Zunahme sozialer Spannungen an der Spree hat zum Neujahrstag der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki gewarnt. Sein Hinweis auf Jugendunruhen vergangener Jahre in Paris oder London gibt der Warnung, die anscheinend weit über die aktuelle Situation hinaus reicht, sogar eine gewisse Dramatik. Der für Berlin recht neue katholische Würdenträger ist damit vielleicht noch nicht in der Politik angekommen. Aber er ist erkennbar auf dem Weg dorthin. Bislang wurde ihm eine Konzentration auf geistliches Wirken bescheinigt.
Drohende soziale Spannungen sind freilich jede Warnung wert - auch die frühe, laute und dramatische. Als erst die Wohnungen und damit zunehmend auch bezahlbarer Wohnraum in Berlin weniger wurden, war dies durchaus bemerkt worden. Doch fielen die Wortmeldungen allzu lange zu zaghaft aus. So wurde nicht die nötige Wirkung erzielt.
Ob nun Bildungsgerechtigkeit zur Vermeidung sozialer Spannung mit dem Religionsunterricht bewerkstelligt werden kann, wie der Erzbischof nahelegt, darf getrost bezweifelt werden. Doch sollten sein Angebot zum gemeinsamen Vorgehen ernst und er selbst beim eigenen Wort vom notwendigen gerechten sozialen Ausgleich genommen werden.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.