Perspektive gesucht
Kommentar von Haidy Damm
Zu Beginn ihrer zweiten Amtszeit vor wenigen Tagen hat Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf der Jugendarbeitslosigkeit den Kampf angesagt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gestern mit ihrem Amtskollegen David Cameron telefoniert, beide drückten ihre Besorgnis über die hohen Zahlen arbeitsloser Jugendlicher aus. In Swasiland versucht die Regierung mit einem Kleinkreditfonds dagegen vorzugehen. EU-Währungskommissar Olli Rehn hat Spanien zu Reformen aufgefordert, insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit sei seine große Sorge. Diese Liste ließe sich noch fortsetzen. Das Problem scheint also angekommen zu sein bei den Staatschefs und -chefinnen. Untermauert wird es von den neuesten Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Demnach waren 2011 knapp 75 Millionen Jugendliche ohne Job, das sind vier Millionen mehr als 2007. Über sechs Millionen Jugendliche, so schätzt die UN-Organisation, haben die Hoffnung auf Arbeit aufgegeben.
Bisher reagierten die Regierungen überwiegend hilflos auf das seit Jahren wachsende Problem, jetzt sollen wiedermal Maßnahmen ergriffen werden. Es ist mehr als überfällig, dass diesen Ankündigungen Taten folgen. Denn für die Jugendlichen, die aus der Welt ausgegrenzt werden, die ihnen in Medien und zu Hause begegnet, bedeutet diese Situation Perspektivlosigkeit. Was die Jugendlichen daraus machen, ist allerdings noch nicht ausgemacht: Einige sind frustriert, andere empört ... Es ist ihre Zukunft.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.