Munter gedopt
Kommentar von Tom Mustroph
Auch schlecht Ding will Weile haben. Fünfeinhalb Jahre mussten vergehen, bis aus dem in Spanien zusammengetragenen Belastungsmaterial gegen den einstigen Vorzeigesportler Jan Ullrich ein Dopingurteil erwuchs. Die verhängte Strafe von zwei Jahren ist nach Aktenlage nur folgerichtig. Der Radprofi hat nie versucht, die Vorwürfe zu widerlegen.
Die Verfahrensdauer ist allerdings für einen Wettkampfsport, in dem im Tagesrhythmus Entscheidungen fallen, eindeutig zu groß. Zwar standen bei Ullrich im nachträglichen Sanktionszeitraum nicht die größten Triumphe zur Debatte - ein Podestplatz bei der Tour 2005, der Sieg bei der Tour de Suisse 2006, Zeitfahrsiege bei der Deutschlandtour und dem Giro d'Italia. Das Urteil gegen Alberto Contador vom Anfang dieser Woche brachte manche Klassements da deutlich heftiger durcheinander.
Aber das ewige Warten auf eine Entscheidung und die Zweifel am generellen Aufklärungswillen kochten den Straßenradsport weich. Jan Ullrich wird dies alles kaum kümmern. So munter wie er gedopt hat, so frech setzt er sich jetzt als Markenbotschafter für den Haarwuchsmittelhersteller Alpecin - Werbespruch: »Doping für die Haare« - in Szene. Ein letzter schriller Triller in einem Lied voller Misstöne.
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