Süße Drops
Kommentar von Silvia Ottow
Im Bundesgesundheitsministerium denkt man offenbar an nichts anderes als die vor Jahren versprochene Pflegereform. Man merkt das daran, dass alle paar Tage ein neues Detail »herauskommt«. Und - ist es nicht komisch? - immer eines, bei dem man auf den ersten Blick gleich zustimmen möchte. Vor ein paar Tagen die zusätzlichen Gelder für Alten-WGs, jetzt die 10-Euro-pro-Tag-Entschädigung für Pflegebedürftige, deren Bescheid nicht in der vorgegebenen Frist eintrifft. Donnerwetter!
Es wäre nicht schlecht, wenn am Wochenende »herauskäme«, dass Lohndumping in privaten Pflegeeinrichtungen verboten wird. Ein paar Tage später könnte es heißen, dass sich Arbeitgeber wieder zur Hälfte an allen Pflegekosten beteiligen. Freude würde auch die Ankündigung auslösen, die Gesetzesfarce vom unbezahlten und nicht einklagbaren Pflegeurlaub zu einem richtigen Gesetz zu machen. Die Reihe der Forderungen von Sozialverbänden und Pflegeexperten ließe sich fortsetzen. Es besteht allerdings der Verdacht, dass nichts davon kommen wird.
Vermutlich plant der Bundesgesundheitsminister, den Hunger der Betroffenen nach einer Pflegereform hin und wieder mit ein paar süßen Drops zu stillen, weil es ihm an einem Gesamtkonzept für eine anständige Mahlzeit mangelt. Vielleicht hofft er, durch die netten Gaben das Image seiner Partei aufzupolieren, damit er noch eine Weile im Amt bleiben kann. In der Pflegebranche kann diese Vorstellung nur Gruseln auslösen.
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