Eine TV-Karriere vor dem Ende?
Sat.1 setzt Harald Schmidts Late-Night-Show ab
»Schade«. Mit diesem einzigen Wörtchen zieht Harald Schmidt einen Schlussstrich unter seine Sat.1-Karriere. Nach nur einer Fernsehsaison beendet der Münchner Privatsender die Zusammenarbeit mit Schmidt. Am 3. Mai strahlt Sat.1 die letzte Ausgabe der »Harald Schmidt Show« mit dem 54-jährigen Entertainer aus. Schuld an dieser Entwicklung sind die Einschaltquoten, die nicht die Erwartungen erfüllten.
Mit Harald Schmidts Sat.1-Abschied dürften viele TV-Zuschauer die Frage verbinden: Hat das Modell Schmidt überhaupt noch Zukunftscharakter? Was macht der gelernte Schauspieler und Kabarettist in der zweiten Jahreshälfte oder noch darüber hinaus? Ob er noch so einen hohen Marktwert und so viel Strahlkraft hat wie in der Zeit, als er sich schon einmal (2003) von Sat.1 verabschiedete oder im vergangenen Jahr bei seinem Abscheid von der ARD, darf zumindest bezweifelt werden.
Im Frühherbst 2011 schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Schmidt startete bei seinem Sat.1-Comeback mit Marktanteilen von 14,1 und 16,1 Prozent (2. Folge) in der begehrten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer und lag damit deutlich über dem gegenwärtigen Senderschnitt von 10,2 Prozent. Euphorie machte sich breit. Und Schmidt untermauerte seinen Anspruch auf einen dritten Sendeplatz pro Woche, womit er das Terrain von Johannes B. Kerner beanspruchte, dessen Sat.1-Magazin es schlecht ging.
Doch nach einem gelungenen Start kam Sand ins Getriebe. Schmidts Quoten gingen zurück. Dennoch gewährte ihm Sat.1 ab Januar 2012 nach dem Dienstag und Mittwoch auch den Donnerstag, aber eher schon aus dem Ansatz heraus, die Show mit diesem Manöver noch zu retten. »Mehr Quantität für Qualität«, sagte Geschäftsführer Joachim Kosack damals. »Indem wir die wöchentliche Frequenz einer inhaltlich sehr starken Sendung erhöhen, machen wir aus der ›Harald Schmidt Show‹ endlich eine richtige Late Night.«
-
/ Christin Odoj»Marzahn mon amour«: Einmal auf dem Thron sitzenDie ARD verfilmt Katja Oskamps Erfolgsroman »Marzahn mon amour« als Miniserie
-
/ Thomas BlumWeidel und Musk auf X: Puh!Als die ARD einmal feststellte, dass Hitler kein Kommunist war
-
/ Jan FreitagBizarre Blutsauger und langweilige LegendenDas Beste und das Schlimmste, das dieses Jahr über unsere Bildschirme flimmerte, in loser Reihenfolge
Möglicherweise hat es bei der Trennung nun unterschiedliche Auffassungen gegeben, die nicht unter einen Hut gebracht werden konnten. Produzent Fred Kogel, der mit Schmidt die Firma Kogel & Schmidt betreibt, klagte: »Eine tägliche Late Night Show braucht entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem Zeit. Wenn man darüber keine Einigung erzielen kann, hört man besser auf.« Diese von Kogel gewünschten Rahmenbedingungen lieferte der Sender nicht.
Sat.1-Geschäftsführer Joachim Kosack fügte hinzu: »Auch die Erhöhung der wöchentlichen Frequenz auf drei Ausgaben hat die Fangemeinde leider nicht ausreichend erweitern können.« Harald Schmidt kann sich jedoch trösten: Er befindet sich in guter Gesellschaft mit anderen Late-Night-Kollegen. Bei Sat.1 scheiterten nach seinem ersten Ausscheiden zunächst Anke Engelke und dann auch Oliver Pocher mit Late Night Shows, die im Grunde nur einen Zweck erfüllen sollten: Schmidt ersetzen.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.