Noch mehr Gebühr?

  • Lesedauer: 2 Min.

Die Debatte um die Praxisgebühr nimmt komplett irrationale Züge an. Gestern forderte die Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (dggö), für jeden Arztbesuch fünf Euro zu zahlen und dafür die Krankenhauszuzahlungen abzuschaffen.

Nachdem sich ganz klar herausgestellt hat, wie wenig diese Gebühr gegen die hohe Zahl der Arztbesuche hierzulande ausrichten kann und wie viel sie hingegen zur Vernachlässigung der Gesundheit in weniger gut situierten Bevölkerungsschichten beiträgt, zeigten sich die meisten Parteien und Experten überzeugt, dass die Gebühr ausgedient hat. Eigentlich hätte man sie längst abschaffen können. Dass dies bisher noch nicht geschah, hängt einzig und allein mit Parteiengezänk zusammen.

Die FDP wird abgestraft, indem der große Koalitionspartner auf dem Bestehen der Praxisgebühr beharrt. Da dürfte auch einen Rolle spielen, dass sie einst auf Betreiben der CSU etabliert wurde. So kommt es zu der Schizophrenie, dass die FDP im Länderwahlkampf Unterschriften gegen die Praxisgebühr sammelt, auf Bundesebene aber schweigt. Die SPD kann noch nicht auf den Plan treten, weil ihr die Linkspartei zuvor kam. Nun muss Zeit vergehen, ehe sie wieder tun kann, als wäre es allein ihre Idee, Praxisgebühren abzuschaffen.

So ist Politik. Kleinkariert, realitätsfern und selbst in Kleinigkeiten wie dieser Angelegenheit unfähig, schnell, sinnvoll oder gar gemeinsam zu handeln - d i e Chance für Menschen mit völlig abstrusen Ideen, vorzupreschen und den Aufmerksamkeitshype für sich zu nutzen. Statt den Teufel mit dem Beelzebub austreiben zu wollen, sollten die Fünf-Euro-Professoren der dggö lieber darüber nachdenken, wie man es den Menschen in einer extrem gesundheitsfixierten Gesellschaft ermöglicht, sinnlose Abzockerei von vernünftigen Angeboten zu unterscheiden. Dann würde sich die Zahl der Arztbesucher vielleicht eher reduzieren.

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