Die wollen das so ...
Kommentar von René Heilig
Gestern hat das Europaparlament das höchst umstrittene Abkommen zur Weitergabe von Fluggastdaten zwischen der Europäischen Union und den USA verabschiedet. Wer aus einem Land der EU in die USA fliegt, muss wissen, dass seine Daten bereits vor ihm dort landen: Name, Adresse, Kreditkartenummer, E-Mail-Adresse, Anzahl der Gepäckstücke, Sitzplatznummer, Menüwunsch und, und, und ... 15 Jahre lang werden die Angaben in Computern der US-Homeland-Security gespeichert. Wer was damit macht, ist unklar. Die Bundesregierung leistete keinen Widerstand, denn: Die USA wollen das so. Ja und? Ist das ein Grund, wie ein Kaninchen auf die Schlange zu starren und auf dem Gebiet der EU selbst vergleichbare Schnüffelsysteme errichten zu wollen?
So ähnlich läuft das auch mit der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland. Noch wehrt sich die liberale Justizministerin. Doch deren fanatische Widersacher um Bundesinnenminister Friedrich geben ihr keine Chance, denn: Die EU will das so. Drohend verweisen sie auf mögliche Strafen, die Brüssel gegen widerständige Deutsche aussprechen kann. Ja und? Zur Zeit laufen über 80 EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland. Ein Viertel liegt beim Europäischen Gerichtshof - ohne dass auch nur ein Euro Bußgeld erhoben worden wäre.
Nein, nicht die USA oder die EU lassen unseren bürgerlichen Grundrechten keine Chance. Wohl aber dienen sie jenen als Deckung, die - selbst von blinder Datensammelwut befallen - solche datenschutzfeindlichen Forderungen erst nach Brüssel getragen haben.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.