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Linker Zuwachs

Standpunkt von Uwe Sattler

  • Lesedauer: 2 Min.

Sieger sehen anders aus. Und Verlierer ebenfalls. Dass Noch-Präsident Nicolas Sarkozy und sein sozialdemokratischer Herausforderer François Hollande nach der ersten Wahlrunde in Frankreich nahezu gleichauf lagen, liegt nicht daran, dass beide gleich gut sind - sie sind gleich schlecht. Sarkozy, der 2007 im ersten Wahlgang noch deutlich über 30 Prozent erreichte, wurde abgestraft, weil von seinen Versprechen vor fünf Jahren - wie mehr Kaufkraft für alle oder die Lösung der sozialen Probleme in den Vorstädten - nahezu nichts erfüllt wurde. Und Hollande konnte oder wollte dem kaum etwas entgegensetzen. Selbst zur Forderung nach einem höheren Mindestlohn, dem sozialistischen Klassiker im Wahlkampf, musste er gedrängt werden. Fast kein Wort von beiden zu den drängendsten Problemen des Landes wie Arbeitslosigkeit, Sozialabbau oder zur Finanz- und Wirtschaftskrise. Selbst die Rechtsextreme Marine Le Pen schien erschreckend vielen Franzosen angesichts der Sprachlosigkeit noch wählbar.

Dabei hatten die Franzosen durchaus eine Alternative - und sahen sie auch. Knapp zwei Drittel meinten, der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon stehe von allen Bewerbern am ehesten für einen Wandel. Mit elf Prozent Stimmenanteil - 2007 hatte die Linkskandidatin lediglich zwei Punkte geholt - ist Mélenchon der eigentliche Wahlsieger. Selbst wenn er das Ziel, auf Platz drei zu kommen, klar verfehlte. Seinen Stand muss Mélenchon nun nutzen, um Hollande auf linke Positionen zu drängen.

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