Starker Studentenstart

Chile: Erster Bildungsprotest 2012 machtvoll

  • Lesedauer: 2 Min.
Bei der ersten Massenkundgebung des Jahres sind in Chile Zehntausende Studenten auf die Straßen gegangen.

Santiago (epd). Offiziellen Angaben zufolge nahmen am Mittwoch (Ortszeit) 48 000 Menschen an der friedlichen Demonstration teil, um eine frei zugängliche öffentliche Bildung zu fordern, wie die Zeitung »La Tercera« berichtete. Studentenvertreter sprachen von einem vollen Erfolg. Die hohe Beteiligung müsse die Regierung zum Schweigen bringen, sagte Studentenpräsident Gabriel Boric. »Sie versteht nicht, dass die Studenten weiterkämpfen werden, bis sich das Bildungssystem verbessert.«

Bildungsminister Harald Beyer sagte, er sei gesprächsbereit: »Die Türen sind immer offen gewesen.« Allerdings lehne er ein kostenloses Bildungswesen ab, weil es ungerecht sei. Die Studenten hätten aber das Recht, dafür auf die Straße zu gehen. In Chile finanziert der Staat nur ein Viertel der Bildungskosten. 60 Prozent der Schulen und Universitäten sind seit der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) privat.

Studenten müssen selbst an staatlichen Hochschulen oft Tausende Euro Gebühren im Jahr bezahlen, die sich viele Familien nicht leisten können. Noch teurer ist eine Ausbildung an einer privaten Hochschule, deren Zahl in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen ist.

Anfang der Woche hatte Beyer angekündigt, die Kredite für die Studenten würden künftig vom Staat und nicht mehr von den Banken vergeben. Der Höchstzins werde bei zwei Prozent liegen, Banken forderten teilweise bis zu sechs Prozent. Zudem sei die Frist für die Rückzahlung länger.

Die Studenten lehnten den Vorschlag jedoch ab.

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