Vielfalt nur für Touristen

Heute ist »Aktionstag gegen Rassismus«

  • Thomas Blum
  • Lesedauer: 2 Min.

Den Ort, den man sich auch für den heutigen »Aktionstag gegen Rassismus und Intoleranz« gewählt hat, ist der am häufigsten für solche Zwecke gewählte: das Brandenburger Tor.

Ab 12 Uhr bis zum Nachmittag wollen die Aufrufenden an Infoständen ihre Arbeit vorstellen. Um 16 Uhr soll eine Kundgebung stattfinden: Hauptredner werden der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske und der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschlands sein, Kenan Kolat. Für den Abend ist ein Unterhaltungsprogramm vorgesehen.

»Gerne reden Politikerinnen und Politiker von der Vielfalt Berlins. Aber eine Vielfalt, die keine Inszenierung für Touristen ist, braucht Respekt statt Nationalismus«, heißt es in dem Aufruf, der zu einer Beteiligung an dem Aktionstag einlädt und von zahlreichen Verbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen unterzeichnet wurde. Man muss diese Worte wohl auch als milde Kritik an an der Migrations- und Integrationspolitik der Bundesregierung verstehen, die zwar die »Vielfalt« als wohlfeilen Begriff fortwährend im Munde führt, im praktischen Alltag jedoch - auch mittels ihrer Gesetzgebung - weiter Migranten ausgrenzt. »Man kann nicht von Globalisierung reden und davon profitieren und gleichzeitig die Schotten dicht machen, das geht nicht«, kritisiert Anetta Kahane von der Antonio-Amadeu-Stiftung im Gespräch mit »nd« die Bundesregierung. Diese komme »nur langsam hinterher und ein bisschen widerwillig« in Fragen von Migration und Rassismus: »Dinge, die eigentlich schon vor 20 Jahren hätten selbstverständlich sein müssen, kommen erst jetzt«, so Kahane.

Mit dem Aktionstag soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass die »Vielfalt« und Weltoffenheit Deutschlands stets nur nach schweren Gewalttaten oder Terroranschlägen wie denen der neonazistischen NSU entdeckt wird. »Natürlich sollte es nicht bei Appellveranstaltungen bleiben. Das Problem ist, dass solche Aktionstage bisher immer nur dann stattfinden, wenn Gewalttaten passiert sind«, meint Cansu Zeren vom Jugendverband der Türkischen Gemeinde (Young Voice TGD) gegenüber dem »nd«.

Man dürfe »nicht die Illusion haben, die Bekämpfung von Rassismus könnte staatlichen Behörden überlassen werden«. Oft seien »Behörden Teil des Problems«, heißt es im Aufruf zum Aktionstag.

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