Zweikampf um Hénin-Beaumont

Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon tritt gegen rechtsextreme Frontfrau Marine Le Pen an

  • Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.
Jean-Luc Mélenchon tritt bei den französischen Parlamentswahlen am 10. und 17. Juni im selben Wahlkreis an wie die Vorsitzende der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Das beschloss am Wochenende die Linksfront aus Kommunisten und Partei der Linken, deren Kandidat Mélenchon schon im Präsidentschaftswahlkampf war.

Hervé Poly, der bisherige kommunistische Anwärter im nordfranzösischen Wahlkreis Hénin-Beaumont, tritt zugunsten Mélenchons zurück und kandiert als potenzieller »Nachrücker« auf dessen Liste. Mélenchon entschied sich bewusst für den Wahlkreis, wo Marine Le Pen schon vor fünf Jahren - vergeblich - um ein Parlamentsmandat und später um die Macht im Rathaus gekämpft hat. Damit will der Linkspolitiker die Auseinandersetzung mit den Rechtsextremen fortsetzen, die schon seinen Präsidentschaftswahlkampf geprägt hatte. Dabei verfehlte er allerdings sein Ziel, Marine Le Pen hinter sich zu lassen. Im ersten Wahlgang hatte die Vorsitzende der Front National fast 18 Prozent der Wählerstimmen erhalten, Mélenchon rund 11 Prozent. Es zeugt von Mut, jetzt erneut das Duell mit ihr und der von ihr vertretenen Ideologie und Politik zu suchen, denn obwohl der Wahlkreis traditionell links war, ist ein Sieg durchaus nicht sicher.

In Hénin-Beaumont ging Marine Le Pen aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahl Ende April mit 31,42 Prozent der Stimmen als Bestplatzierte hervor, gefolgt von Francois Hollande mit 28,75 und Nicolas Sarkozy mit 15,43 Prozent, während Mélenchon mit 14,85 nur den vierten Platz belegte. In der Stichwahl kam Hollande hier auf 60,44 Prozent.

Marine Le Pen gibt sich äußerlich gelassen gegenüber der Herausforderung durch Mélenchon. »Es scheint, als ob er ohne mich nicht mehr leben kann«, witzelte sie gegenüber der Presse. Doch tatsächlich erwächst ihr eine gefährliche Konkurrenz. Le Pen hatte ihren Kampf um Hénin-Beaumont bisher vor allem auf die großen sozialen Probleme der Bevölkerung aufrund des wirtschaftlichen Niedergangs der Region gegründet, für den sie gleichermaßen die rechte UMP wie die Sozialisten verantwortlich macht. Sie setzt aber auch auf den Ansehensverlust der Sozialisten, denn der ehemalige PS-Bürgermeister von Hénin-Beaumont, Gérard de Longeville, ist in einen Finanzskandal verwickelt und musste wegen eines laufenden Betrugsverfahrens zurücktreten.

Jean-Luc Mélenchon will das Duell mit Marine Le Pen aus den Niederungen persönlicher Auseinandersetzungen auf die Ebene der politischen und sozialen Kämpfe heben. »Wer davon überzeugt ist, dass die Araber den Franzosen die Arbeitsplätze wegnehmen, der stimmt für Le Pen«, sagte er am Wochenende auf einer Pressekonferenz in Hénin-Beaumont, »Wer gegen gewissenlose und kriminelle Unternehmer ist und Entlassungen verhindern will, der stimmt für die Linksfront.« Dieser Wahlkampf habe »nationale wie internationale Dimensionen«, denn »historisch ist diese Region die Wiege der französischen Arbeiterbewegung, und die darf man auf keinen Fall den Rechtsextremen überlassen«, betonte Mélenchon.

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