Regierung will Offensive für Fachkräfte

Internetportale gestartet Kritik von DGB

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin (nd-meyer/AFP). Mit einer Internetkampagne wollen Bundesregierung und Bundesagentur für Arbeit verstärkt Fachkräfte aus dem In- und Ausland anwerben. Kernstücke sind zwei Internetplattformen hierzulande sowie ein englischsprachiges Portal. Die Frage der Fachkräftesicherung werde Deutschland in den nächsten Jahren prägen, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Dienstag in Berlin. Das englischsprachige Portal solle Karrierechancen aufzeigen und Jobangebote bieten, so Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Wegen der demografischen Entwicklung fehlten Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2025 mehr als drei Millionen Arbeitskräfte, betonte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, und sprach von einer notwendigen »Doppelstrategie«. Die Erwerbstätigkeit von Frauen und Älteren müsse erhöht, Arbeitslose qualifiziert und die Abbrecherquoten in Schule, Uni und Lehre gesenkt werden. »Aber selbst, wenn das in großem Umfang gelingt, bleibt eine Lücke, die nur durch qualifizierte Zuwanderung zu schließen ist«, betonte Weise, der mit jährlich 200 000 Fachkräften aus dem Ausland rechnet.

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer kritisierte: »Ankündigungen reichen nicht, die Regierung und die Arbeitgeber müssen auch handeln.« So würde noch immer zu wenig für die Weiterbildung von jungen Menschen, Frauen, Migranten und älteren Beschäftigten getan. Und »statt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, werden die notwendigen Mittel für das Betreuungsgeld verpulvert«.

Es sei völlig unverständlich, warum die Bundesregierung bei den Programmen für Langzeitarbeitslose kürzt, sagte Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Wer Fachkräfte aus dem Ausland sichern wolle, müsse entsprechende Arbeits- und Entgeltbedingungen bieten, so Zimmermann. Memet Kilic, Sprecher der Grünen für Migrationspolitik, sagte, die Einwanderung nach Deutschland müsse attraktiver gestaltet werden. Dazu brauche es ein einladendes Zuwanderungsgesetz und eine bessere Einbürgerungsperspektive.

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