Loyal

Ferdos Forudastan wird Sprecherin von Joachim Gauck

  • Aert van Riel
  • Lesedauer: 2 Min.

Gegensätze ziehen sich an - dieses Gesetz der Physik lässt sich zuweilen auf menschliche Beziehungen übertragen. Auch zwischen Joachim Gauck und der Journalistin Ferdos Forudastan gibt es wenige Gemeinsamkeiten. Trotzdem könnten beide als Team gut funktionieren. Die 1960 in Freiburg im Breisgau geborene Tochter eines Iraners und einer Deutschen tritt am 1. September die Stelle der Sprecherin des Bundespräsidenten an. Dann kommt der polyglotten und wortgewandten Forudastan, die in Deutschland, der Schweiz und Iran aufwuchs, die Aufgabe zu, Peinlichkeiten ihres Chefs bei künftigen Auslandsreisen zu vermeiden.

Zudem will das Bundespräsidialamt mit seiner Personalentscheidung offenbar Migrantenverbände besänftigen, die Gauck mit seinen Sympathiebekundungen für den Rechtspopulisten Thilo Sarrazin und seiner Aussage, Muslime gehörten zu Deutschland, der Islam aber nicht, gegen sich aufgebracht hatte. Forudastan ist dagegen eine scharfe Kritikerin der rassistischen Thesen des SPD-Mannes. Als Verfasserin von Büchern zu Migration und Integration gilt sie auf diesem Feld als Expertin. Bekannt sein dürfte sie vor allem Lesern der »Frankfurter Runschau«, für die Forudastan zahlreiche Kolumnen schrieb. Auch die »tageszeitung«, der WDR und der »Deutschlandfunk« zählten zu ihren Arbeitgebern.

Die Journalistin hatte Gauck einst treffend dem konservativen Spektrum zugeordnet. Diesem kann sich die als links-liberal geltende Frau in einigen Punkten allerdings durchaus annähern. In einem Beitrag für die »Frankfurter Rundschau« im September vergangenen Jahres war sie voll des Lobes für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Unter anderem, weil diese die Wehrpflicht abgeschafft habe und »mit Hilfe einer siebenfachen Mutter im Kabinett die deutsche Familienpolitik grundlegend modernisiert«. Zudem sprach sie die schwarz-gelbe Bundesregierung von der Verantwortung für die Folgen der sogenannten Euro-Krise weitgehend frei. Es ist kaum zu bezweifeln, dass Forudastan sich gegenüber Gauck ähnlich loyal verhalten wird.

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