Ein Jahr danach - Chronologie bis Spätherbst 2002
13. 9.: USA-Außenminister Powell bestätigt, wie bereits am 11. 9. aus Regierungskreisen verlautet war, dass Osama bin Laden zu den Verdächtigen gehört.
14. 9.: Der USA-Kongress befugt Bush, das Militär gegen Urheber und Unterstützer des internationalen Terrorismus einzusetzen.
16. 9.: Bush kündigt einen »breit angelegten Feldzug« gegen den Terrorismus an.
19. 9.: Der Bundestag beschließt, dass Deutschland zu Militäraktionen gemeinsam mit den USA bereit sein wird. Die Regierung beschließt ein Drei-Milliarden-Paket zur Terrorbekämpfung.
27. 9.: Das FBI veröffentlicht Namen und Fotos der mutmaßlichen Attentäter
30. 9.: Das afghanische Taliban-Regime erklärt, es verstecke bin Laden zu seinem eigenen Schutz.
2. 10.: Die NATO ruft den Bündnisfall aus: Die USA haben damit Anspruch auf militärische Unterstützung durch die Verbündeten. 5. 10.: In Florida stirbt das erste von insgesamt fünf Milzbrandopfern. Die Krankheitserreger wurden per Brief verschickt. Täter sind bis heute nicht gefunden.
7. 10.: USA beginnen Luftangriffe auf Afghanistan. Per Video ruft bin Laden Muslime in aller Welt zum Heiligen Krieg auf.
9. 10.: Schröder bietet Bush in Washington deutsche Militärhilfe an.
18. 10.: Im Süden Afghanistans werden USA-Spezialeinheiten in den Bodenkampf geführt.
13. 11.: Gegen den Wunsch der USA marschiert die Nordallianz in Kabul ein, die Taliban flüchten in Richtung Süden.
14. 11.: Zehntausende kommen zur Antikriegsdemonstration auf dem Berliner Gendarmenmarkt.
16. 11.: Schröder verbindet die Bundestagsabstimmung über die Entsendung deutscher Soldaten mit der Vertrauensfrage - und gewinnt sie äußerst knapp.
20. 11.: USA setzen für bin Ladens Ergreifung ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar aus.
24. 11. Niederschlagung einer Revolte gefangener Taliban durch Soldaten der Nordallianz und der USA in Mazar-e-Sharif: 600 Tote.
27. 10. - 5.12.: Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn. Einigung auf Einsetzung einer Übergangsregierung unter Hamid Karzai und Entsendung einer internationalen Schutztruppe (ISAF).
20. 12.: UN-Sicherheitsrat beschließt das ISAF-Mandat, das auf Kabul beschränkt ist.
21. 12.: USA-Lufwaffe greift einen Konvoi von Stammesführern an, die zur Regierungseinführung nach Kabul wollen: mindestens 65 Tote.
22. 12.: Die Regierung Karzai nimmt ihre Arbeit auf. Der Bundestag stimmt für die Entsendung von 1200 Soldaten nach Kabul.
2. 1. 2002: Sechs Schiffe der Bundesmarine laufen zur Überwachung von Seewegen am Horn von Afrika aus.
11. 1.: Die ersten 70 Soldaten des deutschen Kommandos treffen in Afghanistan ein. Die USA verlegen erste gefangene Taliban und Al-Qaida-Kämpfer auf ihre Marinebasis Guantanamo in Kuba.
23. 1.: 250 Bundeswehrsoldaten und Fuchs-Spürpanzer werden nach Kuweit verlegt. Auf Bitten der USA bleiben sie auch nach einer Übung im Lande.
29. 1.: Bush bezeichnet Iran, Irak und die KDVR als Staaten einer »Achse des Bösen«.
18. 2.: Bush droht Irak mit einem Militärschlag. 24. 2.: Verteidigungsminister Rudolf Scharping bestätigt, dass deutsche Elitesoldaten an der Seite von USA-Militärs in Afghanistan eingesetzt werden.
6. 3.: Zwei deutsche und drei dänische Soldaten sterben bei der Sprengung einer Rakete in Afghanistan.
15. 3.: Schröder erklärt, ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrates werde sich Deutschland an einem Angriff gegen Irak nicht beteiligen.
11. 4.: Bei einer Explosion vor der Synagoge auf der tunesischen Insel Djerba kommen 19 Menschen, darunter 14 Deutsche, ums Leben. Später bekennt sich Al Qaida zu dem Anschlag.
8. 5.: Bei einem Anschlag auf französische U-Boot-Spezialisten im pakistanischen Karatschi sterben 14 Menschen.
14. 5.: NATO und Russland einigen sich in Island auf ein neues Gremium, den NATO-Russland-Rat. Russland erhält Mitspracherecht in Fragen der Terrorbekämpfung.
22. 5.: Bush in Berlin. Mehrere zehntausend Menschen protestieren: »Wir wollen Ihre Kriege nicht, Herr Präsident!«
4. 6.: Ein Ausschuss des USA-Kongresses beginnt mit der Untersuchung von Versäumnissen der Behörden vor dem 11. September. FBI und CIA sollen Hinweisen nicht nachgegangen sein.
6. 6.: Bush, der zwei Tage zuvor für die USA das Recht auf »Präventivkriege« beansprucht hat, kündigt die Bildung eines neuen Heimatschutzministeriums an.
10. 6.: Laut USA-Justizminister Ashcroft soll ein mutmaßliches Al-Qaida-Mitglied, das in Chicago festgenommen wurde, in den USA ein Attentat mit einer »schmutzigen« radioaktiven Bombe geplant haben.
13. 6.: Übergangsregierungschef Hamid Karzai wird von der Großen Ratsversammlung (Loya Jirga) zum Präsidenten Afghanistans gewählt.
2. 7.: 46 Gäste einer Hochzeitsfeier in Ostafghanistan kommen durch einen USA-Luftangriff ums Leben.
6. 7.: Karzais Stellvertreter Haji Abdul Kadir wird in Kabul von Unbekannten erschossen.
1. 8.: Um einen USA-Angriff abzuwenden, lädt Iraks Regierung UN-Waffeninspektoren zur Rückkehr in das Land ein. Das Angebot bleibt ohne Antwort.
2. 8.: Der USA-Senat stimmt der Erhöhung der Rüstungsausgaben für das Haushaltsjahr 2003 um 35 Milliarden Dollar zu.
5. 9.: Eine Autobombe reißt auf einem Kabuler Markt 26 Menschen in den Tod. Karzai entgeht in Kandahar nur knapp einem Anschlag.
10. 9.: Al-Qaida-Einheiten, meldet die »New York Times«, sind auf dem Weg zurück nach Afghanistan. Im Osten des Landes tobt ein Milizenkrieg.
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