Die Pilzjagd hat schon begonnen
Von Steinpilzen über Maronen hin zu Pfifferlingen - in Thüringens Wäldern ist das Angebot reichlich
Erfurt/Möhrenbach. Thüringer Experten rechnen mit guten Sammlungsergebnissen in dieser Pilzsaison. »Auch wenn es wegen der Hitze der vergangenen Tage im Wald etwas ruhiger geworden ist, führt der häufige Niederschlag doch zu einem guten Wachstum bei den Pilzen«, sagte die Pilzberaterin Christel Widder aus Möhrenbach bei Ilmenau in einer dpa-Umfrage. Besonders in Wäldern an Süd- und Westhängen im Thüringer Wald seien derzeit schon viele Pilze zu finden. »Von Steinpilzen über Maronen hin zu Pfifferlingen ist schon alles da.« Widder ist eine von mehr als 50 ehrenamtlichen Helfern in Thüringen, die gegen einen geringen Lohn die Pilze von Sammlern nach ungenießbaren oder giftigen Exemplaren durchsuchen.
Pilzsammler müssen sich auch bei ausbleibendem Regen nicht von einer Waldwanderung abschrecken lassen. »An Nordhängen im Gebirge wird der Niederschlag länger gespeichert, dort findet man eigentlich immer etwas«, sagte die Pilzberaterin. Falls der Regen jedoch reichlich fällt, dann würden sich Wälder mit kalkhaltigen Böden besonders empfehlen. »Dort wächst allgemein mehr, weil der Kalk ein natürlicher Dünger ist. Da fühlen sich auch Pilze wohl.« Da diese Böden aber weniger Wasser speichern, seien sie nur bei viel Niederschlag ein gutes Sammelgebiet.
Sammlern, die ein besonders reichhaltiges Pilzgericht zubereiten möchten, empfiehlt der Vorsitzender der Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie, Jochen Girwert, in Mischwälder zu gehen. »Dort ist die Auswahl besonders groß und man findet wahrscheinlich auch ein paar Leckerbissen«, sagte er. Es komme auch mal vor, dass man den einen oder anderen Trüffel findet. »Mein persönlicher Favorit ist jedoch - trotz des Namens - die Totentrompete«, sagte Girwert. Dieser Pilz sei in Thüringen häufiger zu finden und verdankt seinen Namen nicht etwa Gift, sondern der Zeit, in der er auffindbar ist - bis zum Totensonntag.
Fern halten sollten sich Sammler von Äckern, Straßen und Schuttplätzen. »Pilze speichern Schadstoffe und man weiß nicht, was dort in den Böden steckt«, sagte Girwert. Ihm sei zwar bisher niemand bekannt, der sich so vergiftet hat. »Aber für die langfristige Gesundheit ist es sicher nicht zuträglich.« Verzichten sollten Sammler auch auf bereits angefaulte Pilze. »Wenn die Lamellen bereits schimmeln, würde ich die Pilze stehen lassen. Es kauft schließlich auch niemand schimmelndes Gemüse im Supermarkt. Da freuen sich die Schnecken im Wald viel mehr«, sagte Widder.
Verboten ist das Pilzesammeln hingegen in Naturschutzgebieten. »Die sind aber meistens mit einer gelben Eule ausgewiesen. Genaueres weiß das zuständige Forstamt des Landkreises oder ein örtlicher Pilzberater«, sagte eine Sprecherin von Thüringenforst.
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