Mauer vorm Fenster
Dass die Vermieterin auf dem Nachbargrundstück ein weiteres Mietshaus plante, wusste die Mieterin. Doch als der Bau Fortschritte machte, wurden alle Befürchtungen übertroffen. Die Eigentümerin ließ die Außenwand des Nachbarhauses direkt an das alte Mietshaus anbauen - unmittelbar vor dem Küchen- und Badezimmerfenster der Mietwohnung. Da kam kein Licht mehr durch.
Die Mieterin kürzte die Miete und forderte von der Hauseigentümerin, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Die Vermieterin wiederum verklagte die Mieterin auf Duldung der Modernisierungsmaßnahmen. Die Mauer wieder abzureißen, sei eine unzumutbare Belastung.
Ein Abriss sei keineswegs unzumutbar, so das Amtsgericht Berlin-Tiergarten am 17. Juli 2012 (Az. 606 C 598/11). Der Abriss sei notwendig. Die Mieterin habe zu Recht die Miete gemindert und bestehe auf Rückbau. Vermieter dürften Mietwohnungen nicht teilweise unbrauchbar machen, indem sie Fenster zumauerten. Benutzbar seien Fenster nur, wenn der Abstand zur Außenwand des Neubaus mindestens drei Meter betrage. Der Rückbau sei nicht unmöglich.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.